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  • mattia

024 - Kalifornien

Updated: Oct 17, 2018


Kalifornien ist der letzte Bundesstaat, den wir seit dem Beginn unserer Reise vor unterdessen 180 Tagen auf unserer Must-See Liste haben. Obwohl beide von uns einige Flecken davon schon von vorherigen Reisen kennen, haben wir hier noch viel vor. Einzigartige Nationalparks, tolle Grossstädte und die berühmte schroffe Küste bei Big Sur sorgen für grosse Vorfreude.


Redwoods Nationalpark 23. bis 25. August


Die Mammutbäume im Redwoods Nationalpark zu sehen war von Anfang an ein grosser Wunsch von uns beiden. Im Jedediah Smith State Park, der vom National Park Service verwaltet wird, erfüllen wir uns diesen. Auf dem Weg zum Parkplatz führt uns die Strasse in den dichten Wald. Je weiter wir hineinfahren, desto dunkler wird es, denn die hohen Bäume lassen kaum Licht durch. Eine provisorische, einspurige Fussgängerbrücke führt uns über einen glasklaren Fluss, hinter dem der 'Stout Grove' Waldteil ist. Seit mehr als 2000 Jahren wachsen die 'Redwoods' hier bis zu 100m oder mehr in die Höhe, es macht uns sprachlos. Ein Baum scheint grösser und höher wie der andere, die massiven Stämme, oft von Feuer oder anderen Einflüssen gezeichnet, geben einem das Gefühl, in einer anderen Zeit unterwegs zu sein. Dank dem geringen Fussverkehr ist es oft ganz still und so wirkt alles noch ein wenig spezieller. Es fehlt nur noch ein Dinosaurier, der plötzlich aus dem Busch springt. Tatsächlich wurden in den Redwoods auch Filme wie Jurassic Park gedreht.













Nach einer günstigen Nacht im Florence Keller County Park für 15 Dollar fahren wir auf dem Highway 101 weiter südlich und zweigen beim 'Newton B. Drury Scenic Parkway' ab. Auch hier führt uns die Strasse mitten durch den dunklen Wald und wir kommen aus dem Staunen kaum mehr heraus. Ich stehe in einen ausgehöhlten Baumstamm, in dem unser Henry locker reinpassen würde und Catherine erscheint vor dem nächsten wie ein Zwerg aus einem Märchen. Beim 'Big Tree' Parkplatz gibt es für Rollstuhl-Fahrer die Möglichkeit, auf einem gepflasterten Weg zu einem der grössten Bäume des Parks zu gelangen. Da dieser aber mit einem Holzgeländer vor Übermütigen geschützt wird, gehen wir ein paar Schritte weiter in den Wald, wo wir gleich wieder ganz alleine sind. Begeistert von der Umgebung wird aus den paar Schritten schnell eine stündige Wanderung durch die Riesenbäume. Ein fantastisches Erlebnis.






Kalifornische Küste 25. bis 28. August


Nach dem Mittagessen auf dem Parkplatz kaufen wir uns im 'Kuchel Visitor Center' der Stoff-Patch für unsere Sammlung und fahren weiter zum 'Big Lagoon Beach', wo wir einen tollen Platz für $25 finden. Wenige Meter vor uns haben wir einen eigenen Privatstrand direkt an der ruhigen, braunen und warmen Lagune, dahinter blicken wir auf die Sanddüne, die die Wellen des wilden Pazifik aufhält.




Nach den zwei tollen Tagen im Redwoods NP geht es am Morgen weiter nach Eureka. Obwohl die Stadt mit ihren alten Häusern viel Potenzial hätte, kann sie uns nicht ganz überzeugen. Am Samstagmorgen um 11 Uhr sind die Strassen im alten Teil der Stadt praktisch leer und es läuft auch die eine oder andere komische Gestalt herum. Mit dem Hintergedanken, dass unser ganzes Hab und Gut hinter der nächsten Ecke steht, hält es uns nicht viel länger als eine Stunde hier. Wir füllen unseren Benzin und Propantank und ziehen auf dem Highway 101 weiter südwärts. Nach etwa 30 Minuten Fahrt, kurz vor der 'Avenue of the Giants', einem weiteren Strassenabschnitt mit riesigen Redwoods, geht es ein kurzes Stück bergauf und dann passiert es. Bei Tempo 90 gibt Henry komplett den Geist auf, nichts geht mehr.


Ich kann weder Gas geben, die Bremsen lassen sich nur mit grosser Anstrengung betätigen und auch die Servolenkung funktioniert nicht mehr, sämtliche Power ist weg. Dank der hohen Geschwindigkeit schaffen wir es gerade so noch über den Hügel und lassen uns in die nächste Ausfahrt rollen. Ich versuche, den Motor neu zu starten, doch es passiert gar nichts. Nada, niente. Nun sitzen wir tatsächlich am Strassenrand fest und kommen keinen Meter weiter. Was für eine Scheisse!


Doch es kommt noch viel besser…

Denn genau an diesem Punkt des Highway 101 haben wir keinen Handy-Empfang, und das mitten in Kalifornien, wo immerhin 37 Millionen Menschen wohnen. Nach einer Weile fassungslosem Dasitzen halten etwas vor uns zwei Motorräder und machen eine Pause. Wir nutzen die Chance, steigen aus und fragen sie, ob wir von ihrem Handy aus unserer Roadside-Assistance anrufen können. Leider bringt uns das nicht viel. Sagenhafte eineinhalb Stunden ist Catherine mit der völlig inkompetenten Callcenter-Mitarbeiterin am Telefon. Zuerst findet diese trotz Angabe des Strassennamens nicht heraus, wo wir stehen (der Highway 101 ist in Kalifornien sowas wie die Autobahn von Basel nach Bern), erst nachdem wir ihr die genauen GPS-Daten liefern, geht es weiter. Obwohl der Assistenz-Service speziell für Camper gemacht ist, kann die gute Dame dann zunächst am Samstagnachmittag um 14 Uhr keine Garage finden, die uns 'behandeln' würde. Deshalb schlägt sie vor, uns fürs Wochenende auf den nächsten Walmart abschleppen zu lassen und dann am Montag weiterzuschauen. Wir glauben es kaum und werden langsam aber sicher stinksauer. Weil sie keinen Walmart findet, der so etwas erlaubt - was für eine Überraschung - ist ihre nächste Idee, uns 4 Stunden, ja 4 Stunden!!!!, zu einem Truck-Stop/Tankstelle abzuschleppen, der 'Overnight-Parking' erlaubt.


Damit hat sie das Fass nun wirklich zum Überlaufen gebracht und Catherine ruft aus. Schliesslich startet sie ihre Suche nach einem Abschleppdienst von vorne und siehe da, findet auch einen. Als sie uns nach unserer Handynummer fragt, damit uns das Abschleppunternehmen erreichen kann, sagen wir ihr, dass wir hier keinen Empfang hätten und wir deshalb nicht erreichbar sind, sie soll es einfach organisieren.

Wir bedanken uns beim überaus geduldigen Töfffahrer-Paar Dave und Amber und kehren in Henry zurück, um auf den Abschlepper zu warten. Wir warten, warten, warten, erklären dem Highway Patrol Polizisten, der fragt, ob alles in Ordnung sei, dass wir OK sind und auf den Abschlepper warten und warten und warten weiter. Als nach dreieinhalb Stunden noch immer niemand auftaucht und die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwindet, fragen wir uns, ob sie uns wohl verarscht hat. Wir gehen nochmals raus und versuchen einen der ahnungslosen Autofahrer zum Anhalten zu bringen. Beim dritten Versuch klappt es, wir erklären unser Dilemma und das sehr sehr skeptische Paar gibt uns ihr Handy, damit wir nochmals beim Roadside-Assistance anrufen können. Dort wird dem ganzen dann der endgültige Hut aufgesetzt, eine andere, immerhin verständnisvollere Mitarbeiterin teilt uns mit, dass der Abschleppauftrag gelöscht wurde, da uns das Unternehmen nicht erreichen konnte... Wir drehen fast durch.


Während Catherine am Telefon ist, hält ein weiteres Auto mit einem jungen Paar, das uns von sich aus fragt, ob wir Hilfe benötigen. Er habe einen grossen Werkzeugkasten dabei und kenne sich ein wenig mit Autos aus. Ich sehe in ihm den vom Himmel geschickten Engel und wir schauen zusammen unter Henrys Haube. Als ein paar Augenblicke später auch noch zwei State-Park-Polizisten anhalten und ihre Hilfe anbieten, fragen wir uns, wo all die Leute in den letzten vier Stunden waren. Dem jungen, blonden Jesus mit Hippiefrisur, -kleidern und -auto wird es mit den zwei Polizisten dann aber etwas unwohl, denn die Zigarette, die er vorhin ausgedrückt hat, hatte sehr wahrscheinlich nicht nur Tabak drin (wir sind ja in Kalifornien, wo Medical-Marihuana erlaubt ist). So ziehen er und seine Freundin schnell weiter und wir übernehmen das Handy eines Polizisten, um eine Lösung zu finden.


Es dauert eine weiter Stunde, bis wir schliesslich einen Abschleppdienst organisiert und auch fünffach bestätigt haben und auch dann nochmals 90 Minuten, bis dieser endlich kommt. Um 22 Uhr werden wir schliesslich aufgeladen und nach 'Fortuna' - welch ironischer Name - auf das Parkinglot einer weiteren Garage gebracht. Da diese am Sonntag geschlossen ist, verbringen wir den Tag im Camper, bei McDonalds und Starbucks und müssen nochmals geduldig sein. Immerhin haben wir in Henry alles, was wir brauchen und können uns die Kosten für ein Hotel für die Reparatur sparen.


Am Montagmorgen sind wir logischerweise die allerersten, die um 8 Uhr im Büro der Garage stehen und obwohl sie nicht auf RVs spezialisiert sind, nehmen die Mechaniker unseren Ford E350 unter die Lupe. Die Diagnose ist nach 10 Minuten erstellt und lautet 'defekte Zündspule', Reparaturkosten mit Arbeit etwa $140. Während wir warten, googeln wir, was der Grund für eine defekte Zündspule sein kann und lesen, dass es mit grösster Wahrscheinlichkeit mit dem letzten Problem (Verteilerkappe und Kabel) zusammenhängt. Nach etwa einer Stunde kriegen wir die Nachricht, dass alles wieder in Ordnung ist. Beim Nachfragen, ob sie sonst noch irgendwas gesehen hätten, verneint der Mechaniker und meint, sonst sieht alles sehr gut aus. Weil wir schon da sind, lassen wir dann doch noch die quietschenden Keilriemen wechseln und sind um 10 Uhr wieder fahrtüchtig.


Rückblickend war das ganze Schlamassel also eigentlich nur so gross, weil die Call-Center Mitarbeiterin unserer Roadside-Assistance absolut unfähig war und keine Ahnung hatte, wie sie ihren Job zu erledigen hat. Hätte sie den Abschleppdienst am Samstagnachmittag korrekt organisiert, wären wir wohl nach ein paar Stunden wieder unterwegs gewesen und nicht ganze 2 Tage später.


Wie schon in Oregon nach Coos Bay lässt uns dann die wunderschöne, ruhige und wilde Küste Nordkaliforniens den ganzen Stress vergessen. Bei Leggett verlassen wir den schnellen Highway 101, auf dem wir nun seit Washington, also knapp 2 Wochen und genau 1000 Kilometern unterwegs sind, und wechseln auf die Strasse Nummer 1, die weiter direkt der Küste entlang in Richtung San Francisco führt. Dass wir immer näher an die dicht besiedelte Bay Area inkl. Silicon Valley kommen, merken wir jedoch nur an den Preisen für die Campingplätze. 45 Dollar für einen 'dry'-Spot, d.h. ohne Elektrizität und Wasser, wow. Als wir den jungen Angestellten fragen, ob das in ganz Kalifornien so schlimm sei, sagt er 'Nein, hier oben geht es noch, ab Santa Cruz bis LA kosten die Plätze alle 80 Dollar oder mehr'. Yikes.


Via dem romantischen, verschlafenen Mendocino mit seinen schönen Gärten geht es vorbei an verdörten, dunkelgelben Weiden, auf denen Kühe friedlich grasen und dabei hoffentlich die sagenhafte Aussicht auf den direkt vor ihnen rauschenden Ozean geniessen.






Auf der Küstenstrasse sind wir oft ganz alleine unterwegs, nur ganz selten treffen wir andere RVs oder Mietauto-Touristen an. Im Sonoma State Park ist der Campingplatz trotzdem voll und wir müssen uns mit einem 'overflow'-Platz für 35 Dollar zufriedengeben. Wir stellen Henry links an den Rand der Zufahrtsstrasse und setzen uns mit unseren beiden grünen Stoffstühlen an den Strand. Wir geniessen die Sonne, das Rauschen der Wellen und das Gackern der Möwen und beobachten wenige Meter vor uns die jagenden Seehunde. Da wir auf dem Campingplatz einmal mehr keinen Handyempfang haben, fahren wir später ein paar Minuten hoch ins Dorf und planen an einem sehr idyllischen Parkplatz die nächsten paar Tage vor.




Statt von San Francisco weiter der Küste entlang nach Los Angeles zu fahren, entscheiden wir uns nämlich spontan, die Nationalparks Yosemite, Kings Canyon und Sequoia zu besuchen. Weniger Stress, weniger Verkehr, weniger teure Campingplätze und mehr Abwechslung sind die Hauptargumente.


Vom Sonoma State Park fahren wir für etwa 2 Stunden die letzten paar Küstenkilometer bis wir schliesslich bei der Golden Gate Bridge landen. Weil wir beide San Francisco bereits kennen, grüssen wir die Millionenstadt von der Brücke aus und verzichten darauf, mit Henry in eine weitere Grossstadt zu steuern. Nach ein paar Fotos und gesammelten Eindrücken fahren wir bald weiter landeinwärts durch Berkeley und Oakland zum Woodward Reservoir. Die Fahrt dahin auf den riesigen, zum Teil 6 oder 8-spurigen Autobahnen ist sehr anstrengend. Wie rücksichtslos und leichtsinnig viele Autofahrer unterwegs sind, lässt uns mehrmals einfach nur den Kopf schütteln.





Am nächsten Tag fahren wir zuerst schnurgerade durch die endlosen Obst- und Nussplantagen des Fruit-Valleys und anschliessend durch die plötzlich sinnlos steilen Hügel der High Sierra. Die gleiche Strecke sind wir auf einem Kurztrip vor 2 Jahren gefahren, doch weil es dort mitten in der Nacht entsprechend stockdunkel war, ist nun trotzdem alles neu.


Yosemite Nationalpark 30. August bis 1. September

Nach 3 Stunden kommen wir schliesslich im Yosemite Nationalpark an und richten uns auf dem North Pines Campground auf Platz 322 ein. Da unsere abwesenden Campingnachbarn ihre Cheerio-Cornflakes AUF statt IN den bärensicheren Metallkasten gestellt haben, findet dort gerade ein Wettfressen zwischen Eichhörnchen, Raben und sonstigen Kleinviechern statt. Wir helfen der Campingplatz-Angestellten kurz beim Aufräumen und gönnen uns dafür danach ein Mittagsschläfchen in unseren Hängematten. Zu Fuss laufen wir dann ins Visitor Center, vorbei am schönen aber sündhaften teuren Majestic Yosemite Hotel, und trinken dort ein lokales Bier und eine Soda.




Am Freitag, 31. August 2018, nehmen wir uns wieder mal eine ordentliche Wanderung vor, hoch zum Glacier Point soll es gehen. Kurz nach 9 Uhr gehen wir auf den Shuttlebus und lassen uns zum Trailhead bringen. Von dort geht es auf 8 Kilometern sehr steile 1000 Höhenmeter hoch zum besten Aussichtspunkt des Parks. Wir nehmen es gemütlich, laufen in unserem Tempo und sind froh, am Morgen noch im Schatten des Waldes aufsteigen zu können. Nach 3.5 Stunden kommen wir an und geniessen die unfassbare Aussicht und unsere feinen Sandwiches. Nach einer ausgiebigen Pause geht es die 8km und 1000HM wieder zurück respektive runter und wir kehren nach weiteren 2.5 Stunden erschöpft aber erfüllt in unseren Camper heim. Weil wir zu müde sind um zu kochen, laden wir uns dann gegenseitig auf eine Pizza mit Salami und Oliven ein und lassen so den wunderbaren Tag ausklingen.









Kings Canyon und Sequoia Nationalparks 2. bis 5. September

Nach einem Erholungstag auf einem Campground etwas ausserhalb des National Parks geht es am Sonntag weiter in den Kings Canyon Nationalpark. Vom Yosemite Valley (1200m.ü.M) fahren wir durch teils noch rauchende Waldbrandabschnitte nach Fresno (90m.ü.M). Dort müssen wir dringend wieder mal waschen und können auf dem Parkplatz gleich noch meinem Bruder per Whatsapp-Videoanruf zum Geburtstag gratulieren. Vom tiefen, heissen Fruit-Valley geht es dann gleich wieder zurück in die Berge nach Wilsonia (2017m.ü.M). Da an diesem Wochenende Labor Day Weekend ist (=Montag Feiertag), sind alle Campingplätze voll und Wildcampen ist in Nationalparks strikt verboten. Da der Kings Canyon Nationalpark aber an den Sequoia National Forest angrenzt und in diesen Wildcampen erlaubt ist, finden wir auf einem Waldweg einen schönen, ruhigen und kostenlosen Übernachtungsplatz.


Am Montag, Feiertag, fahren dann bis ans Ende der Strasse 180. Diese heisst so, weil man darauf eben nicht über die Sierra Nevada kommt, sondern am Roads-End eine 180-Grad Drehung machen muss. Die Landschaft während der Fahrt ist wunderschön und einzigartig.




Kurz vor dem Roads-End steigen wir etwas länger aus und spazieren einem eiskalten Fluss entlang zu den Zumwalt Meadows. Dass der Fluss eiskalt ist, weiss ich nicht, weil ich darin baden will, sondern weil mir beim Fotografieren meine Sonnenbrille ins Wasser fällt und ich so unfreiwillig bis zum kritischen Punkt oberhalb der Oberschenkel reinsteigen muss, um sie wieder herauszuholen.






Zurück in Wilsonia drehen wir am späteren Nachmittag eine Runde auf dem General Grant Tree Trail. Der Riesenmammutbaum ist der zweitgrösste lebende Baum der Welt, zwischen 1500 und 1900 Jahre alt und nebenbei auch noch der Nations Christmas Tree und die einzig lebende nationale Gedenkstätte. Da der Trail weniger als eine Meile lang und bequem per Auto erreichbar ist, hat es viele andere Touristen, was bei der schier unglaublichen Dimension des Baums aber leicht verständlich ist.



Die Nacht verbringen wir wieder im Sequoia National Forest auf einem anderen Waldweg umsonst. Der ballernde Camper ein paar hundert Meter vor unserem Platz stört uns genauso wenig wie der knallorange angezogene Pfeilbogenjäger, der spätabends ohne Beute auf seinen Platz zurückkehrt. In der Natur fühlen wir uns trotz solcher Begegnungen halt mittlerweile sehr viel wohler als in Städten.


Auf dem Weg zu unserem Schlafplatz haben wir am Tag zuvor den Buck Rock Fire Lookout gesehen und kurzerhand beschlossen, diesen am nächsten Tag zu besuchen. Die ausgesetzte Hütte ist eine der wenigen, noch aktiven Feuerausblicke, die dauerhaft von einer Person besetzt sind. Wir stellen Henry beim Horse Campground ab und erreichen den Lookout in etwa einer Stunde zu Fuss. Auf der engen, teils etwas schäbigen Treppe geht es hoch zur Hütte, wo uns eine unglaubliche 360-Grad Aussicht überwältigt. Da die Hütte öffentlich ist, dürfen wir sogar hinein und uns auf den 4x4m Wohnfläche umsehen. Da die Bewohnerin/Angestellte nicht gerade die kommunikativste ist, finden wir nicht sehr viel mehr über ihre Arbeit heraus und geniessen stattdessen halt einfach den Blick in die Ferne Sierra Nevada.












Vom Buck Rock Fire Lookout fahren wir am Mittag weiter zum Lodgepole Campground, nun im Sequoia National Park. Wie immer werden wir beim Check-In gefragt, ob wir mit den Campingregeln in Bär-Territorium vertraut seien, worauf wir nicken und uns die Vorschrift trotzdem nochmals von A-Z anhören. Das gelbe Hinweisschild, auf dem steht „4 bear break-ins in the last 7 days“ erstaunt uns zwar, wir wissen aber nicht, ob wir es so ernst nehmen sollen.

Als wir am späteren Nachmittag zur Shuttlebus-Station laufen, sehen wir, dass es kein Scherz war. Eine vierköpfige Schwarzbärenfamilie läuft quer durch den Campingplatz und schnüfelt sich von Mülltonne zu Mülltonne. Auf uns Menschen reagieren sie praktisch gar nicht, sie lassen sich brav fotografieren und haben überhaupt keine Angst.


Der währenddessen angekommene Shuttlebus bringt uns dann zum General Sherman Tree, dem allergrössten Baum der Welt. Es gibt höhere und dickere, doch keiner übertrifft diesen Riesensequoia im Volumen. Unglaublich.





Weil wir auf dem Campground den vierten Tag in Folge kein Telefonnetz haben, schliessen wir unser Abendprogramm statt mit Netflix mit einem viel spannenderen „Ranger Talk“ im Auditorium zum Thema „Hale Tharp“ – einer der Pioniere des National Parks – ab und laufen danach im Dunkeln mit Taschenlampenlicht und zügigem Schritt zurück zu unserem Bett.


Am 191. Tag profitieren wir wiederum vom Gratis-Shuttlebus, welches uns zu den Crescent Meadows bringt. Hier hat der Bauer Hale Tharp vor etwas mehr als 100 Jahren sein Vieh in den heissen Sommermonaten zum Weiden gebracht und sich dabei einen Unterschlupf in einen gefallenen Sequoia-Stamm gebaut, der noch heute recht gut erhalten ist.














Nach einer Pause und einem Bonbon als einzige Stärkung – wir haben unsere Snacks ausnahmsweise vergessen und im Giant Forest Museum gibt es nicht einmal ein Snickers – besteigen wir den Moro Rock mit seinen 350 Treppentritten. Die Aussicht von 2050m.ü.M. ist einmal mehr unglaublich, 360 Grad Rundblick bei bestem Wetter.








Zurück auf dem Campingplatz stillen wir unseren Hunger dann im Grill mit Chicken Tenders und Pommes Frites und am Abend setzen wir uns an den genau gleichen Ort im Auditorium, um einer anderen Rangerin heute zum Thema Nighttime Animals zuzuhören.




Von den eindrücklichen Sequoia-Riesenbäumen geht es am nächsten Tag satte 535 Kilometer in Richtung Südosten zum Joshua Tree National Park. Dass länger nicht immer besser ist, beweist sich, als wir die Süd-Ausfahrt des Sequoia NPs ansteuern. Hier sind wegen den vielen engen Serpentinen nur Fahrzeuge bis 22 Fuss (6.7m) erlaubt, was Henry mit seinen 20 Fuss (6m) perfekt erfüllt. Die unzähligen Kurven vom Lodgepole Campground auf 2042m.ü.M. nach Visalia auf 100m.ü.M. meistert er wie immer dank 2. Gang und Motorenbremse bestens.


Via Bakersfield und der Strasse Nummer 58 kommen wir immer näher an unser Tagesziel und nebst der Landschaft verändert sich auch die Temperatur deutlich. Während es in der Sierra Nevada noch angenehm warm und ab und zu erfrischend windig war, ist es hier mitten in der Wüste extrem heiss. 38 Grad zeigt unser Thermometer bei einer Fahr-Pause an – und das im Innenraum vom Camper. Im Starbucks von Barstow kühlen wir uns kurz ab und gönnen so auch Henry eine Verschnaufpause - dieser fährt übrigens nach seinem Aussetzer wieder wie am ersten Tag.


Joshua Tree National Park 6. und 7. September


Am späten Abend gegen 20 Uhr kommen wir dann nach einem langen Fahr-Tag im Joshua Tree National Park an und sind ab dem ersten Meter begeistert. Die Sonne ist um diese Zeit bereits untergegangen und trotzdem hat es noch genügend Licht, um den Park in seiner vollen Schönheit zu sehen. Gleich von Beginn an stehen überall die lustigen Joshua Trees im beigen Sandboden, während die kurvig-runden Steine im Hintergrund für den perfekten Abschluss sorgen. Auf dem Hidden Valley Campingplatz richten wir uns für die Nacht ein und öffnen als allererstes jedes einzelne Fenster, dass wir haben. Viel bringt es nicht, unter 30 Grad kriegen wir unsere Behausung auch nach 22 Uhr nicht.




Kurz vor dem Ins-Bett-Gehen schaue ich dann noch kurz aus der Hintertür in den Himmel, doch es sind nicht die Sterne, die meine Aufmerksamkeit kriegen, sondern die in der Weite schimmernden Augen. Rasch greife ich zu meiner Stirnlampe und leuchte in die Büsche, wo sich tatsächlich ein Kojote vorbeischleicht. Es wird nicht der Letzte gewesen sein. Auch vom Bett aus über der Fahrerkabine sehen wir dank künstlichem Licht immer wieder, wie die wilden Tiere relativ nahe an unserem Gefährt vorbeiziehen und auch ihr Gejaule begleitet uns konstant in den Schlaf.


Als unser Wecker am Morgen danach wegen der Affenhitze schon um 7 Uhr ringt, sehe ich bei nun Tageslicht, welche Kojoten-Autobahn gleich vor unserem Platz durchlief. Dutzende Kot-Haufen liegen überall verteilt auf dem Boden und zeugen vom regen Betrieb der letzten Nacht. Mit der laufenden Klimaanlage brechen wir dann immer noch früh zum Barker Dam Trail auf, wo wir in einer Stunde eine Runde zu Fuss durch die Wüste drehen.






Weiter geht es danach zum Aussichtspunkt Keys View, von wo wir wunderbar ins Coachella Tal hinuntersehen. Auch hier ist der Blick auf das künstlich grüne Palm Springs, den seichten Salton Sea und die fortschrittlichen Windränder auf der Anhöhe in Richtung Los Angeles fantastisch. Dank dem entdeckten Handynetz und dem wunderbaren Wind, der hier oben geht, bleiben wir gleich etwas länger und beobachten, wie der überschaubare Besucherandrang immer mehr zunimmt.





Am Nachmittag fahren wir auf der einzigen Strasse im Park zum Südeingang und werden von der sich verändernden Vegetation überrascht. Auf dem Weg ins Tal verlassen wir die Mojave-Wüste mit den tausenden Josua Palmlilien und treten – oder besser gesagt rollen – in die Colorado-Wüste ein.

Hier ist es vor allem der Cholla Cactus Garden, der uns begeistert. Ganz plötzlich stehen wir inmitten hunderter Kakteen, die trotz ihrer spitzen Nadeln irgendwie trotzdem bauschig weich aussehen. Ein Mitglied einer sechsköpfigen Männergruppe schafft es dann tatsächlich in seinen Zehenschlappen in ein am Boden liegendes Gestrüpp zu treten und damit ein schallendes Gelächter seiner Kollegen auszulösen.






Am Südeingang kehren wir dann rasch wieder um und suchen uns einen Platz für die Nacht. Auf dem ersten Campground namens White Tank treffen wir einen Park Ranger an, der uns vorschlägt, zum nächsten Platz namens Belle Campground zu wechseln, dort sei es geräumiger und geeigneter für grosse RVs. Wir glauben und folgen ihm und fahren weiter. Dort finden wir aber keinen Platz, der unseren Vorstellungen entspricht und verlassen ihn deshalb gleich wieder. Auf dem Weg zurück auf die Strasse kommt uns dann promt der gleiche Ranger entgegen, dem wir etwas verlegen zuwinken. Wir versuchen es weiter auf dem Jumbo Rocks Campground, doch auch werden wir nicht fündig. Die Plätze sind entweder zu nahe aneinander, zu sonnig, zu schattig oder sonst irgendwas stimmt nicht. Als wir auch von hier wieder weiterziehen, kommt uns der Ranger NOCHMALS direkt entgegen. Nun nicht mehr verlegen, sondern schon eher peinlich winken wir ihm wieder und er lacht uns im Gegenzug nur noch an. Beim vierten Anlauf klappt es dann zum Glück, auf dem Ryan Campground bleibt uns eine weitere Konfrontation mit dem Ranger erspart und wir finden den Platz, den wir uns vorgestellt haben. Bei einem Outdoor-Abendessen inklusive Sonnenuntergang schliessen wir unsere Zeit in Kalifornien ab und werden etwas wehmütig.




Ab Morgen fahren wir wieder in Richtung Ostküste, und trotz dem Plan, noch ein paar Tage in Tennessee zu verbringen, heisst das doch irgendwie, dass es dem Ende zu geht.


...


Obwohl unser Reiseplan von Kalifornien zu Beginn noch sehr anderst aussah, sind wir nach 2 Wochen sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die Küste von San Francisco zum Big Sur und weiter wäre sicherlich auch sehr schön gewesen, doch mit unserem etwas grösseren Gefährt waren die ruhigen Tage in den fantastischen Nationalparks im Inland die bessere Alternative.

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