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  • mattia

023 - Oregon

Cannon Beach ist nach Astoria unser nächster Stop, bevor wir einen kurzen Abstecher ins Landesinnere machen. Wie bei vielen vielen anderen Orten, Seen, Flüssen oder Strassen ist auch Cannon Beach durch eine relativ pragmatische Art und Weise zu seinem spannenden Namen gekommen, nämlich durch eine angeschwemmte Kanone im Jahre 1894.


In einer netten Bäckerei an der Main Street starten wir mit einem heissen Cappuccino für Catherine [trotz unterdessen einigen Versuchen trinke ich immer noch keinen Kaffee], einem feinen Chocolate-Croissant und einem sehr zuckrigen Apple-Layover in den Tag. Da an den Glastüren der umliegenden kleinen Geschäfte überall noch auf 'closed' verwiesen wird, lediglich der 'Kite'-Shop verkauft schon seine Wind-Drachen, spazieren wir durchs wunderschöne Wohnquartier in Richtung Meer. Jedes einzelne Haus hat einen sagenhaften Garten und die Hortensienbüsche blühen, dass jeder Schweizer Gärtner neidisch würde. Entlang den begehrten 'Beachfront'-Häusern kommen wir nach 20 Minuten durch die vom ständigen Wind aufgebauten Dünen an den Strand. Dieser ist bei der aktuellen Ebbe mindestens 300m breit und bietet so allen aktiven oder weniger Aktiven genügend Freiraum.










Der 'Haystack Rock' [der Felsen sieht aus wie ein Strohhaufen, daher der Namen] ist unser Ziel. Dank seiner dominanten Erscheinung von weitem und der vielen verschiedenen Vögel von nahem ist er einer der spannenderen Felsen.

An einer Infotafel davor hängen Ferngläser zum Ausleihen und dahinter hat es sogenannte 'Tide-Pools', Wassertümpel, die bei Ebbe gelungene Meerestiere beherbergen. Damit die vielen Kinder in Gummistiefeln nicht all diese zertrampeln, geht extra eine Aufpasserin mit roter Jacke rund um die Pools und greift wo nötig ein.



Portland 16. & 17. August

Um den Geburtsort von Catherine's Vater zu erkunden, verlassen wir am späten Morgen die Küste und fahren landeinwärts nach Portland [650'000 Einwohner inkl. Umgebung]. Noch ohne organisierten Schlafplatz geben wir in unser Handy-Navi den Japanischen Garten als Ziel ein. Dort angekommen finden wir glücklicherweise einen grosszügigen Parkplatz an einer sicheren und stadtnaher Lage und lösen an der Parkuhr darum gleich ein Billett für den Rest des Tages [ca. 12$]. Nachdem wir den Eintrittspreis für den Japanischen Garten sehen - 17$ pro Person - schenken wir uns diesen, denn in Städten wird unser Tagesbudget ohnehin jedesmal stark überzogen.

'City of Roses' heisst Portland auch, entsprechend fantastisch ist der Rosengarten, gleich unterhalb des Japanischen. Hunderte verschiedene Arten blühen hier um die Wette. Unglaublich schön.



Von der Farbenpracht der Blumen laufen wir weiter zum bunten hipster Viertel Nob-Hill. An der 23rd Avenue herrscht multikulti, Tattoostudios, Cafés, Restaurants, Kleiderläden und und und. Wir gehen die Avenue runter zum Pearl District, welches weniger grün aber immernoch sehr alternativ ist.

Auf dem Weg dahin haben wir unterdessen die beiden Apps 'Lime' und 'Bird' heruntergeladen und installiert. Beides sind ganz neue Start-Ups, bei denen man Elektro-Scooter [Trottinetts] mieten kann. Es funktioniert so: Die Scooter stehen irgendwo auf dem Trottoir und können mittels QR-Code und App freigeschaltet werden. Die 'Startgebühr' beträgt 1$, danach bezahlt man 25 Cent pro Minute. Im App sieht man auf einer Karte, wo Scooters verfügbar sind und wie viel Akku sie noch haben.


Da die wenigen Scooter so begehrt, ja fast schon umkämpft sind, brauchen wir eine Weile, bis wir den ersten Verfügbaren finden. Catherine sichert sich den ersten Bird, ich renne ihr in die Nebenstrasse hinterher, wo ein weiterer steht und zusammen steuern wir die Innenstadt an. In der App wird man darauf hingewiesen, dass auf der Strasse und nicht auf dem Gehweg gefahren werden muss, was kein Problem ist, denn parallel zu den vielbefahrenen Hauptverkehrsachsen hat es immer ruhige Seitenstrassen mit extrabreiten Velospuren. Wie neu und unbekannt die Scooter noch sind merken wir auf unserer Fahrt immer wieder, wenn uns Fussgänger am Strassenrand ganz verduzt und erstaunt nachschauen.

Vor dem 'REI' [ein Outdoorshop] stellen wir die beiden E-Trottinetts wieder hin und beenden auf dem App unsere Fahrt. 14 Minuten Fahrt für rund 4$, ein günstiger Spass! Leider müssen wir nach unserem Shopping-Aufenthalt zu Fuss weiter, denn unsere Birds sind unterdessen schon wieder mit anderen Benutzern unterwegs.

Wir ziehen um die Blocks in Downtown, schütteln den Kopf ab den teuren Preisen im Nike-Shop - die Marke wurde in Portland gegründet - und werden langsam aber sicher müde von den vielen Eindrücken der Grossstadt.






Als wir uns wieder in Richtung Henry machen wollen - natürlich am liebsten mit den Scootern - sehen wir die Kehrseite des Konzepts. Weil die Dinger völlig ohne Haftung benutzt werden können, wird leider zu oft schlicht keine Sorge gegeben. Viele liegen kaputt herum oder hängen sogar demoliert in den Bäumen. Wo viele Menschen sind, sind halt auch viele Idioten.

Stattdessen nehmen wir das Tram und gönnen uns beide 2 Slices + Getränk. Auch das hat sich in Städten so eingespielt - während wir uns in Henrys kleiner Küche kulinarisch relativ begrenzt austoben können, bestellen wir in Restaurants meist das, was wir eben selber nicht gut zubereiten können: Pizza, Pommes usw.

Gestärkt respektive vollgefressen werfen wir einen Blick auf unsere Apps und holen uns die nächsten beiden 'Lime's bzw. 'Bird's. Weil es zu unserem Parkplatz steil den Hügel hinauf geht, muss ich bei meinem 'Lime' praktisch während der ganzen Fahrt nachhelfen und per Fuss angeben, während Catherine mit dem besseren 'Bird' elegant vor mir herdüst. Immerhin habe ich vorne und hinten Licht und werde auf der vielbefahrenen Strasse beim Eindunkeln besser gesehen.

Weil die Walmarts in Grossstädten 'Overnight'-Parking nur selten erlauben - im Falle von Portland eben nicht - fahren wir für die Nacht zu einer 'Rest Area' etwa 15 Meilen südlich der Stadt, wo man 8 Stunden lang parkieren darf.

Bei unserer Ankunft um 21 Uhr ist es dann schon dunkel und so gestaltet sich die Suche nach einem Platz etwas schwieriger. Gleich neben dem ersten Parking-Lot, welches am nächsten an der Autobahn ist, stehen auch die riesigen 40-Tönner, die ihre Diesemotoren meist die ganze Nacht laufen lassen. Um deren Lärm zu entfliehen, versuchen wir es auf dem zweiten Lot etwas weiter hinten. Dort stellen wir beim Ausleveln [ja, das machen wir natürlich auch hier] jedoch fest, dass die Leute in den Autos hinter uns wahrscheinlich nicht nur für resp. seit einer Nacht hier sind. Sie sitzen um ein kleines Lagerfeuer [an einer Autobahn-Raststätte!!!!], schauen uns für unsere Verhältnisse etwas zu gespannt an und ihre Karossen sehen aus, als stünden sie schon seit Monaten hier. Es wird uns etwas unwohl und wir entschliessen uns, einen anderen Parkplatz zu suchen. Das dritte, stockdunkle dritte Lot ganz hinten beherbergt noch düstere Gestalten und so enden wir halt trotzdem gleich neben den LKWs ganz vorne.

Es ist nicht die angenehmste Nacht, doch das muss man von einer Raststätte ja auch nicht erwarten.

Auf Instagram-Bildern haben wir die eindrücklichen 'Multnomah-Falls' gesehen, die wir am nächsten Morgen dann gerne selbst erleben möchten. Es geht noch etwas weiter aus der Stadt und nach der Autobahnausfahrt bald sehr steil hinauf zum 'Vista House', einem historischen Aussichtspunkt. Weil es so saumässig steil ist, kommen wir nur mit etwa 25mph voran und spüren, wie Henry dabei für etwa 2-3 Sekunden komisch ruckelt.

Da die Touristenmassen die Kapazität des Parkplatzes direkt bei den Wasserfällen sprengt, werden wir in einen State Park umgeleitet, wo wir auf einen Free-Shuttle-Bus wechseln. Die Wasserfälle selbst sind hoch und schön, aber es hat für unseren Geschmack leider wieder mal etwas zu viele Selfie-Knipser. Auf der kleinen, engen Brücke, die ein tolles Fotomotiv vor dem fallenden Wasser ist, herrscht Hochbetrieb und davor gibt es sogar eine informelle Warteschlange.




Zurück in Portland machen wir den wohl letzten Ölwechsel vor Florida - seit Alaska haben wir schon wieder 4000 Meilen gemacht - und schauen uns am Nachmittag das 'Hawthorne' Viertel an. Wie Nob Hill stimmt auch hier der Mix von Jung&Alt, Dick&Dünn, Schwarz&Weiss, Homo&Hetero usw. Es gibt extrem viele Second-Hand-Läden, allen voran das 'House of Vintage'. Vintage sind daran aber nur die Kleider, denn die Preise, zu denen sie verkauft werden unterscheiden sich kaum von normalen Geschäften. Stattdessen kaufen wir uns in einem Ableger vom 'Powells City of Books' einen Vintage-Strandhocker.

Im Pub des alten 'Bagdag Theater' teilen wir uns einen Beef-Slider [Mini Hamburger] und Cajun TatorTots [gewürzte Kartoffel-Kroketten] und beobachten die vielen bunten Charaktere, die vor uns durchstolzieren. Nach der Nacht auf der Raststätte haben wir für heute einen 'Boondocker'-Spot organisiert und übernachten in der Einfahrt von 'Abby'.

Pazifikküste von Oregon 18. bis 22. August

Nach einem Einkauf im gigantischen 'Fred Meyer'-Supermarkt [noch grösser als Walmart] lassen wir die tolle Stadt Portland hinter uns und steuern wieder die Küste an. Beim Überqueren der Bergkette zwischen der Stadt und dem Meer merken wir beim Bergauffahren wieder, wie unser Camper beim Gasgeben immer wieder ruckelt. Irgendwas stimmt definitiv nicht, doch leider haben wir keine Ahnung, was.

Wie schon an X anderen Orten auch, steht beim 'Cape Lookout State Park Campground' 'Full' angeschrieben und doch stehen wir am Kiosk an, um sicher zu gehen, dass es auch wirklich so ist. Und wie so oft haben wir Glück, denn genau die Camperin vor uns reist einen Tag früher ab und wir können ihren Platz übernehmen. Auch an diesem Strand trauen sich die Surfer nur mit Komplett-Neoprenanzug in die kalten Wellen und so belassen auch wir es bei einem Spaziergang entlang dem Wasser.





Auf dem Weg in den 'Beverly Beach State Park' halten wir bei der 'Devils Punchbowl'. So spannend der Name tönt ist das Loch im Fels nicht, dafür sehen wir im Meer davor völlig unerwartet die ersten Wale auf unserer Reise. Etwa alle 30 Sekunden kommen sie [2 Stück] an die Oberfläche, zeigen sich ein paar kurze Augenblicke und tauchen danach wieder ab. Wenige Meter neben ihnen warten mutige Surfer geduldig auf brauchbare Wellen.





Da das Ruckeln beim Beschleunigen nun auch auf flachen Strecken beginnt, entscheiden wir uns, definitiv etwas zu unternehmen. Im nächstgrösseren Ort probieren wir es zuerst mit einer relativ günstigen Variante: Bei 'Valvoline', wo wir sonst unsere Ölwechsel machen, lassen wir für 50$ das 'Fuel-System' reinigen. Nach einer Stunde Fahrt stellen wir leider fest, dass es nicht am Benzinfilter oder ähnlichem gelegen hat, denn das Problem besteht weiterhin.

Weil Grossstädte an der Küste von Oregon Mangelware sind, müssen wir noch einmal übernachten, bis wir in einen Ort kommen, den man Kleinstadt nennen kann. Coos Bay heisst dieser und ist mit seinen 16'000 Einwohnern das Grösste vor dem 350 Kilometer enfternten Eureka [27'000 Einwohner] in Kalifornien.

Im ersten 'RV Repair' reparieren sie nur Kühlschränke, Heizungen und Klimaanlagen aber keine Motoren, im zweiten und dritten hätten sie erst in einer Woche Zeit und im vierten würde die Diagnose alleine ohne Arbeit schon 140$ kosten. Völlig frustriert lehnen wir ab und fahren weiter, ohne wirklich zu wissen, wie es weitergeht. Nach 5 Minuten sehen wir dann nochmals eine Garage namens 'LTM Truck Repair' und wir probieren es ein letztes Mal. Der Vorplatz sieht zwar etwas unorganisiert aus, doch immerhin stehen ein paar Camper herum, was vertrauenswürdig wirkt. Im 'Office' schildern wir unser Problem und warten danach auf Mark, der tatsächlich Zeit für uns hat.

Mit seinem Diagnosegerät und Fachwissen - er sieht aus wie eine Kombination aus Daniel Düsentrieb und Albert Einstein - hat er das Problem in 10 Minuten gefunden und kann uns einen Richtpreis für die Reparatur nennen. 345$ für eine neue Verteilerkappe, neue Kabel und Arbeit. Uffffff.

Wir schlucken beide, doch wissen, dass wir keine andere Wahl haben, denn unsere Endstation ist noch mehr als 4'000 Kilometer entfernt. Wir stimmen der Reparatur zu und warten auf dem Sofa des Büros, während wir immer wieder einen Blick auf Henrys offene Motorklappe werfen können. Von 16 bis 19 Uhr arbeitet Mark schliesslich an unserem Gefährt. In der Zeit, in der wir warten, kommt immer wieder ein anderer Kunde ins Office, der ebenfalls mit seinem RV hier gestrandet ist. Im Vergleich zu uns hat er jedoch einen grösseren Schaden, sein komplettes Getriebe ist dahin und bis der passende Ersatz aus einem anderen Teil des Landes hier ist, dauert es mindestens eine Woche.

Nach einer Testfahrt scheint alles wieder in Ordnung zu sein und wir erledigen den Papierkram. Mark erlaubt es uns grosszügigerweise, die Nacht vor der Garage zu verbringen - inkl. Stromanschluss - denn auf einem Campingplatz hätten wir um diese Zeit sowieso keine Chance mehr. Auch dieser Ort kommt nicht in unsere Favoriten-Liste, doch immerhin können wir morgen wieder ohne Probleme weiter.




So können wir uns an unserem letzten Tag in Oregon wieder von den Mühsamkeiten und Strapazen erholen und werden mit dem bislang schönsten Küstenabschnitt belohnt. Der 'Scenic Corridor' vor Kalifornien bietet unglaublich schöne Eindrücke.







~

Nach den zwei 'nördlichen' Küstenstaaten wartet nun Kalifornien auf uns. Im bevölkerungsreichsten Bundesstaat haben wir einiges auf unserer To-Do & To-See Liste, deshalb werden wir dort wieder etwas länger umherziehen. 

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