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019 - Kanada, Teil 2 von 2

Updated: Aug 1, 2018

LaSalle Lake Recreation Area - 1 Nacht // Free

Nach den zwei Wochen in den Nationalparks ist unser nächster Orientierungstag der 23. Juni. Dann kommen Melanie und Martin, unsere Freunde, die 3 Wochen Ferien in Kanada machen, mit der Autofähre in Prince Rupert an. Zwischen Jasper und dort liegen 1100 Kilometer, also machen wir uns gemütlich auf den Weg dahin. Unser erster Übernachtungsplatz auf der Strecke ist gleich einer der schönsten unserer ganzen bisherigen Reise. Drei Minuten runter vom Highway sind wir in einem Tannenwald direkt an einem stillen, spiegelglatten See mit Seerosen, hunderten Kaulquappen, Bibern und Baumstämmen, die ins Wasser gefallen sind und nun als perfekte Stege dienen. Alle 14 Gratisplätze sind frei und so wählen wir natürlich den aus, der am nächsten am Ufer ist. Da es sonnig und heiss ist, blase ich Catherines Schwimm-Matratzen-Donut auf und sie geht damit auf dem See planschen. Es ist wunderbar romantisch, einzig der riesige Grizzly [Schulterhöhe mind. 1m30], den wir beim Abbiegen auf den Campingplatz gesehen haben, lässt uns nicht komplett davonschwelgen.





Ebenso schön geht es am nächsten Morgen im 'Ancient Forest' weiter. Im Regenwald, der in der Native-Sprache 'CHUN T’OH WHUDUJUT' heisst, sind es vor allem die hohen Zedernbäume, die beeindrucken. Die Stämme sind oft mehrere Meter dick und mit den riesigen Blättern der bodennahen Gebüschen, dem vielen Farn und dem Plätschern der Bächen haben wir definitiv das Gefühl, im Jurassic Park zu sein. Über die 'Boardwalks' rennen wir die meiste Zeit jedoch nicht wegen Dinosauriern, sondern wegen den hartnäckigen Mücken, die von allen Seiten pausenlos attackieren.







Vanderhoof, Rotary Campsite - 1 Nacht // Free &Topley Lake Recreation Area - 1 Nacht // Free

...sind dann beides reine Übernachtungsplätze. Wir fahren tagsüber viel, haben Strecken mit 'No Fuel Next 202km' und erleben nicht wirklich viel. In Prince George [75'000 Einwohner] stinkt es wegen den unzähligen Sägereien so dermassen, dass wir nach dem Walmart gleich nach Vanderhoof weiterziehen. Auch am Tag darauf auf dem Weg zum Topley Lake verändert sich die Szenerie kaum, nur die Mücken sind auch hier bissfreudig.


Kitwanga Centennial Park // Free

Ab Smithers, nach etwa 3/4 der 1100km wird es wieder etwas spannender zum Fahren. Es erscheinen immer höhere Berge, einige schneebedeckt und der braune und breite Skeena-Fluss begleitet uns rechts von der Strasse. In Kitwanga, einem 400 Seelen-Kaff wird uns deutlich, dass Alaska defintiv näher und näher kommt, denn an der Tankstelle bei der Kreuzung zum Highway 37 steht es nun zum ersten Mal angeschrieben.



Auf dem Campground fällt uns ein dunkelgrün gestrichener 80er Jahre Toyota-Camper auf. Als er, etwa im gleichen Alter wie ich, unser Nummernschild sieht, sagt er zu mir:

'Ah, you're from Florida? Long way from home, huh?' 'Yeah' 'We're from California'

Fortsetzung folgt...

Prudhomme Lake Provincial Park - 2 Tage // 20$

Von Kitwanga fahren wir durch Terrace [12'000 Einwohner], unser späteres Ziel, hindurch nach Prince Rupert. Irgendwo habe ich gelesen, dass diese Strecke sehr 'scenic' sei - ich würde den 150 Kilometern eine gute 7 geben.



Das Hafenstädtchen selbst ist auf den ersten Blick dann nicht wirklich ein Hingucker. Hässliche hohe, alte, quadratische Hotels säumen die Hauptstrasse und alles sieht ein wenig versifft und schmuddelig aus. Da auch der Campingplatz gleich bei der Fähre nichts ist, quartieren wir uns 20 Minuten ausserhalb im grünen Provincial Park ein. Am Ankunftstag unserer Freunde geben wir Prince Rupert eine zweite Chance und das kleine Cow-Bay Quartier, dass seinen Namen von einem Schweizer hat, ist gar nicht mal so Leid. Im Cowpuccino gibt es Z'Morge und die kleinen Boote an den Docks sind schöne Fotomotive.





Später in Port Edward besuchen wir eine historische Fisch-Konservenfabrik und schlendern ein wenig drum herum, da der Eintrittspreis höher als unser Interesse an Fisch in Büchsen ist. Zurück im WoMo fällt Catherine plötzlich auf, dass ich beim Ohreingang ein grosser Fleck trockenes Blut habe. Wir putzen es weg und auch ich merke, dass sie am Nacken und am Ohr eine grosse Bisswunde mit Blutfleck hat. Ohne es zu merken haben uns die 'Blackflies' erwischt und uns einen kurzen Schock versetzt.





Zurück auf dem Camping reservieren wir für Mel+Währy einen Platz, denn ihre Fähre kommt erst um 23:30 Uhr an. Natürlich bleiben wir wach und ab 23:45 Uhr merken wir, dass das Schiff angekommen ist, denn wir hören, wie der Verkehr auf der Strasse von einer Minute auf die andere plötzlich wieder da ist. Bei jedem Wohnmobil, das auf den Campground einbiegt, springen wir mit der Taschenlampe heraus und blenden ins Cockpit. Nachdem uns die ersten zwei sehr komisch anschauen, hören wir wieder damit auf und warten etwas gesitteter. Auch der Dritte kehrt wieder um da alle Plätze besetzt oder eben vor-reserviert sind und macht dabei beim Rückwärtsfahren in der stockdunkeln Nacht - ohne Navigator draussen - kurz 'zweiten' gegen einen Baum. Beim Vierten erkennen wir dann endlich die uns bekannten Gesichter, sie sind angekommen. Obwohl die beiden eine 23 stündige Schifffahrt hinter sich haben stossen wir noch an, zuerst bei uns im zu-viert recht kuscheligen Henry und dann bei ihnen im luxuriösen Slide-Out-Camper.

Skeena Mountain Lodge, Terrace, Beim Onkel von Cathy

Zum ersten Mal auf unserer Reise im Konvoi geht es dann nach Terrace, das auch keinen Schönheitspreis gewinnt.



Catherine's Onkel Christy und seine Frau Barbara haben hier seit x-Jahren ihre Skeena Mountain Lodge (fischen-abenteuer.ch), die sie im Frühling, Sommer und Herbst führen. Etwa 15 Minuten ausserhalb der Stadt, mitten im Grünen gelegen, werden wir hinter der grossen Blockhütte herzlich von den beiden empfangen und kriegen direkt den orangen Willkommens-Drink 'Gin-Drin' in die Hand. Zu leckerem frischem Speck-Gebäck von Barbara und im Zuber fachmännisch gekühlten Bieren von Christy sitzen wir beisammen und tauschen uns über bisherige Reiseerfahrungen und künftige Pläne aus. Barbara zeigt uns das innere der grossen Blockhütte - die ca. 8 Doppel-Gästezimmer brauchen Platz - und Christy führt uns ums Haus und erklärt uns sein Lachs-Kalträucherhäuschen. In diesem werden die gefangenen Fische seiner Gäste innert 2-3 Tagen eben geräuchert, anschliessend vakumiert und flugzeugsicher verpackt.





Unerwartet taucht dann auch noch Hermann Schönbächler von der SRF-Serie 'Auf uns davon' samt Familie auf. Er wohnt eine halbe Stunde nördlich von Christy [dem sagt man hier ‘Nachbar’], ist mit ihnen befreundet und kommt nach der Sonntags-Kirche und Lunch oft zum 'Gaffee' vorbei. Ja, er ist auch in live genau so wie im Fernsehen und Richi genau der gleiche Unruhestifter. Später gibt es mega feines BBQ mit Maiskolben und Baked Potatoes und lassen den Abend im gedeckten Hüttchen am Feuer gemütlich ausklingen. Ein grosses Merci an Christy und Barbara für Alles, wir haben es sehr genossen und tolle Erinnerungen mitgenommen!

Lakelse Lake Provincial Park // 34$

Mit Mel und Martin geht am Tag darauf weiter. Bei Walmart kaufen wir für 170$ Proviant für die nächsten Tage ein und im Liquor-Shop für 80$ auch noch was zum Trinken. Eine Nacht verbringen wir am stillen Lakelse Lake.



Obwohl wir den beiden gesagt haben, sie müssten uns nichts aus der Schweiz mitbringen, konnten sie es natürlich nicht lassen. So gibt es zum Abendessen ein super-cremiges Fondue, zubereitet im Dutch-Oven über dem Feuer und warmgehalten auf Martin's Biwak-Gasbrenner. Mit einem Differänzler, Whiskey und Zigarren für die Männer und Weisswein für die Frauen schliessen wir den Abend ab. Super!




Tyhee Lake Provincial Park - 2 Tage // 27$

Auch am Tyhee Lake, geniessen wir bei Sonnenschein das Zusammensein und den unkomplizierten Austausch. Am zweiten, weniger windigen Tag unternehmen wir am Morgen zuerst eine kurze Wanderung ins nahegelegene Dörfchen, in dem der Glacéstand leider doch geschlossen ist und am Nachmittag drehen wir auf Stand-Up-Paddleboards eine Runde auf dem See. Dabei müssen wir immer darauf achten, nicht in die Start- und Landebahnen der vielen Wasserflugzeuge zu geraten, denn diese gibt es nun wirklich in fast jeder Pfütze in Britisch Kolumbien.






Kitwanga Centennial Park // Free

Auch am Folgetag zieht es uns nochmals aufs Wasser, diesmal am Lake Kathrin. Mel+Martin im schnellen Doppel-Kayak und wir zwei im etwas gemächlicheren Kanu. Idyllisch, mückenlos und windstill, schön.




In Smithers an der Tankstelle trennen sich nach insgesamt 5 Tagen unsere Wege dann wieder. Für Mel und Martin geht es in Richtung Südosten nach Vancouver und uns zieht es nun wirklich in den wilden, einsamen Nordwesten. Nach dem Abschied, ein paar Tränchen und einem kurzen Trost-Cheesburger bei McDonalds kehren wir zur uns bereits bekannten Gratis-Option in Kitwanga zurück.

Dort treffen wir zu unserem Erstaunen erneut auf den dunkelgrünen Toyota-Camper, den wir ja vor einer Woche schon hier gesehen haben. Mittels Heckscheiben-Beschriftung und Instagram-Bildbeschreibung finden wir später heraus, dass Tyler und seine Freundin 40km nördlich auf dem Highway eine Panne hatten und nun seit Tagen auf Ersatzteile warten. Nochmals zur Erinnerung, Kitwanga hat 400 Einwohner, eine Tankstelle und einen Einkaufsladen... Was für ein Pech. [Fortsetzung folgt auch hier...]

Eddontenajon Lake Recreation Area // Free

An eben der Tankstelle bei der bereits bekannten Kreuzung füllen wir am 28. Juni dann nochmals komplett auf, denn auf den nächsten 700 Kilometern kommen nur noch sehr wenige Möglichkeiten - am Ende zählen wir deren drei auf der ganzen Strecke. Auf dem zum Teil sehr sehr schönen Steward-Cassiar-Highway geht es nun direkt in den Norden. Wir sehen einige Bären, erstaunlich viele Solo oder Duo-Velofahrer und sind aber auch oft lange ganz alleine unterwegs.



Die Strasse ist bis auf eine Meile immer asphaltiert und verzichtet ab 350Km auf den Mittelstreifen. Immer wieder überqueren wir Flüsse auf Stahlbrücken, deren Rillenboden uns eine 10-sekündige Ganzkörpermassage geben. Am Eddontenajon Lake übernachten wir gleich neben der Strasse und haben auch hier eine traumhafte Aussicht auf die gegenüberliegenden unberührten Berge.




Boya Lake Provincial Park // 20$

Bei Regenwetter geht es am nächsten Tag weiter. Dease Lake ist der einzige Ort auf den 700km, an dem mehr als 200 Menschen wohnen, doch Handy-Empfang kriegen wir auch hier nicht. Da an der Tankstelle absolutes Chaos herrscht und die Natives nicht gerade den Eindruck machen, dass sie Touris lieben, fahren wir rasch weiter. Das Wetter wird besser und am Good Hope Lake verschwinden die Wolken. Was für ein Glück für uns, denn so kommen die Farben darin noch viel besser zum Vorschein. Türkisblaues, klares Wasser wie man es nur von Karibik-Werbeplakaten kennt, unglaublich.


Auch am Boya Lake ist es wunderschön und wir finden wieder einen Platz mit Seeblick. Als die Rangerin am Abend die Camping-Gebühr einkassiert, weist sie uns darauf hin, dass ein Schwarzbär in der Gegend aktiv sei und wir doch etwas vorsichtig sein sollen.

Watson Lake Territorial Campground // 12$

Wie aktiv der Bär in der Nacht war, zeigt sich dann am nächsten Morgen. Direkt beim Beginn des Wanderwegs am Seeufer steht eine riesige [moderne, leider leere] Bärenfalle, die am Vortag noch nicht da war, denn dann haben wir uns noch überlegt, denn Trails zu machen. Da war wohl jemand in der Nacht zu Besuch.

Vom Boya Lake sind es dann lediglich 80 Kilometer, bis wir endlich und tatsächlich auf den Alaska Highway abbiegen. Ein ganz spezielles Gefühl überkommt uns und ein weiterer Meilenstein ist erreicht.

In Watson Lake [790 Einwohner] heisst es wieder 'Tanken' und dort steht auch der berühmte Schilderwald. Beim Bau des Alaska Highways hat ein Soldat mit Heimweh ein Schild aus seiner Heimatstadt hier an einen Baum genagelt und seit dann haben es ihm rund 80'000 nachgemacht. Eine fantastische Abwechslung für das Auge nach zwei Tagen Natur pur.





Beim Visitor Center gibt es einen Gartenschlauch mit Frischwasser und während wir brav anstehen, komme ich mit einem älteren Herren ins Gespräch, dessen Camper so was von schmutzig ist, dass man kaum die Originalfarbe erkennt. In Nicaragua sei er mal gestartet und die letzten 2 Tage bei Regen auf Schotterpisten unterwegs gewesen, darum sieht es nun so aus.

Teslin Lake Territorial Campground // 12$

Von Watson Lake bis Dawson City, wo wir den Grenzübertritt nach Alaska planen, sind es 970km, also schlagen wir auch hier keine Wurzeln. Auf dem Alaska Highway fahren und fahren und fahren wir. Obwohl unterdessen seit 4 Monaten auf der Strasse, sind wir nicht müde und können uns noch immer ab stundenlanger Natur und Bäumen bis an den Horizont begeistern.



Whitehorse, Hi Country RV Park // 22$ & Walmart // Free

Der Yukon ist flächenmässig 10x grösser als die Schweiz, hat aber gerademal doppelt so viele Einwohner wie Reinach BL - nämlich 40'000. 30'000 davon wohnen in und um Whitehorse. In der Kleinstadt, hier Grossstadt, schauen wir uns die S.S. Klondike an, ein Schaufelrad-Dampfer, der früher die Goldgräber den Yukon hinaufschiffte und gehen später im Klondike Rib & Salmom Restaurant essen, wo es für Catherine ein feines Chicken Focaccia Sandwich und für mich einen saftigen Burger mit Hirsch, Bison und Wildschwein-Patty gibt.








Da einer unser Hinterpneus nicht mehr viel Profil hat und weder ich noch Catherine Auto-Experten sind, lassen wir ihn bei 'Canadien Tire' von einem Fachmann begutachten. Dieser meint, wir würden Alaska damit sicher noch schaffen, sollten bevor es zurück nach Florida geht aber schon ein paar Neue drauftun. Wir lassen es gleich von ihm offerieren [4 Pneus + Arbeit für 510$] und entscheiden uns, auch auf seinen Rat, noch zu warten und in Alaska ebenfalls eine Offerte machen zu lassen.

Pelly Crossing // Free

Nach einer weiteren Nacht auf einem Walmart Parkplatz biegen wir vom Alaska Highway auf den Klondike Highway ab. Ja, vieles heisst hier Klondike, wir haben es auch schon gemerkt. Klondike heisst Klondike, weil die ersten Goldgräber das Native-Wort 'Tr'ondëk ', was so viel wie Hammerstein-Wasser [vom Yukon Fluss] bedeutet, nicht aussprechen konnten und daraus eben 'Klondike' machten. Die Strecke zwischen Whitehorse und Klondike, ehhhh Pelly Crossing, ist relativ unspektakulär. Der Verkehr wird immer weniger aber der Gratis-Campplatz füllt sich am Abend trotzdem.

Klondike River CG // 12$ & Dawson City Visitor Center Parking Lot // Free

Zwischen Pelly Crossing und Dawson City hat es auch kaum Zivilisation, Strassenarbeiter und hin und wieder eine Lodge während etwa 2 Stunden sind die einzige Abwechslung. Vorbei geht es an der Abzweigung zum berühmten Dempster Highway, der 700 Kilometer langen Schotterpiste nach Inuvik und noch weiter an die Beaufort-See. Etwa 10 Kilometer vor Dawson City merken wir dann, dass wir bald da sein müssen, denn auf beiden Strassenseiten türmen sich Steinberge vergangener Goldschürferzeiten. Die ganze Landschaft ist gezeichnet vom Gold Rush vor 100 Jahren, überall stehen vor sich hinrostende Gerätschaften und hier und da sind noch immer aktive 'Claims' abgesperrt.






Und auch Dawson City selbst scheint noch ein wenig in der Zeit stehen geblieben zu sein. Alle Häuser sind uralt und schräg, einige sind verlassen, bei vielen die Fenster und Türen mit Brettern zugenagelt und in der ganze Stadt gibt es gibt eine einzige Teer-Strasse. Trotzdem gefällt es uns auf Anhieb. Im Hardware-Store kaufen wir eine Schürfer-Pfanne und versuchen am nächsten Tag unser Glück selbst, wer weiss... Beim 'Free Claim No. 6' einem 300m langen Bachabschnitt an genau dem Ort, wo der Goldrausch begonnen hat, ist es Touristen erlaubt, selber zu 'pannen'. Zwei Stunden lang probieren wir es, müssen uns danach aber leider zu den vielen Erfolglosen gesellen. Ausser eventuellem Goldstaub an ein paar Steinen war nichts drin. Spass gemacht hat es trotzdem.








Zur Aufmunterung gibt es danach eine Glacé, die wir auf der Veranda davor genüsslich verschlingen. Ein robuster, älterer Mann mit dicker Brille, weissem Bart, weissem Shirt und roten Hosenträgern gesellt sich zu uns und wir kommen mit ihm ins Gespräch. Zwei Stunden später wissen wir dank 'Jack' einiges mehr über Dawson City und Umgebung. Der harte Winter war unser Hauptthema...

  • Schulkinder müssen im Winter bis -35 Grad Celsius während der Pause nach draussen zum Spielen.

  • Jedes Jahr veranstalten die Einwohner eine grosse Wette, wann das Eis des Yukon-Fluss bricht. Im Jackpot waren vor drei Jahren mehrere Tausend Dollar. Wieso vor 3 Jahren? Weil der Fluss in den letzten beiden Jahren nicht komplett zugefroren ist...

  • Nebst vielen anderen Schrägen lebt auch 'Caveman Dan' hier, resp. in seiner Höhle auf der anderen Seite des Flusses. Seit 15 Jahren... [Nochmals, normalerweise gefriert im Winter ein ca. 200m breiter Fluss komplett zu und Dan wohnt in einer Höhle...]

  • Auf der anderen Flussseite wohnen vor allem Natives, dort gibt es aber weder Strom noch fliessendes Wasser.

  • Darum müssen sie im Winter auch einen langen Stock mit aufs Plumsklo nehmen, da die Scheisse sonst zu einem Hügel hochfriert.

  • Im letzten Winter ist Jacks' Feuerholz ausgegangen und er wurde nicht rechtzeitig beliefert, darum hatte er eine Woche lang -4 Grad in der Küche.

Wir hatten aber auch andere Themen...

  • Ein Indianerhäuptling [diese heissen hier Chief] wollte nach seiner Rente Wald bom Staat zurück kaufen, der früher mal seinem Stamm gehörte. Wie? Er hat 25 Cent Stücke in jeden Baum geschlagen...

  • Jack hat drei Jobs: Hauptberuflich ist er als Ranger vom Kanadischen Militär angestellt. Nebsenjob Nummer 1: Aushilfslehrer, Nebenjob Nummer 2: Gefängniswärter. Ja, für die Säufer gibt es extra 3 Zellen in der Polizeistation.

  • Jacks Tochter ist zwar mit 22 noch in der Highschool [9. bis 12. Klasse], doch da sie weder Drogen nimmt, keinen Alkohol trinkt und mehr an Spinnen und Skorpionen als Jungs interessiert ist, ist alles ok.

  • Hier in Dawson City funktioniert das Zusammenleben der Natives und der ‘weissen‘ Kanadier sehr gut. Alle schauen ein wenig zu einander und die ‘weissen’ Kids dürfen sogar bei der ersten Jagd der Natives teilnehmen, was eine grosse Ehre darstellt.

  • Jack mag den Sommer schon, lieber hat er aber den Winter [der erste Schnee kommt im September], wenn die Touristen weg sind und sie ihr Dorf wieder für sich haben.

Was für ein tolles Gespräch.

Nach dem Abendessen im Camper, den wir nebem dem Visitor Center abgestellt haben, ziehen wir nochmals los und kehren zuerst im Downtown Hotel ein. Zu Live Rock 'n' Roll Klaviermusik setzen wir uns an einen der abgenutzten Tische und bestellen zwei Bier. Hierhin hat es uns nicht zufällig verschlagen. Zu meinem Bier bestelle ich nämlich auch noch einen Whiskey, den ich erst ab 21 Uhr trinken kann. Dann nämlich hört der Klavierspieler auf und brüllt die Spielregeln zum Beitritt in den Sourtoe Cocktail Club durch den Saloon.

Die Geschichte:

Zwei Trapper/Miner-Brüder wurden 1920 von einem Schnee-Blizzard überrascht. Auf dem Weg zu ihrer Blockhütte trat der eine in eine nasse Eispfütze und so fror ihm sein Zeh ab. Um weitere Erfrierungen zu verhindern, schlug ihm sein Bruder mit der Axt den Zeh ab und konservierten ihn als Andenken in einem Whiskeglas. Als der Yukon Captain 'Dick Stevenson' ihn 1970 fand, nahm er den Zeh im Whiskeyglas mit in die Stadt und gründete den Sourtoe Cocktail Club. Nur wer mutig genug war, den Zeh zu trinken, wurde Mitglied.

Als es soweit ist, setze ich mich mit meinem Glas zur alten Lady mit Captain-Kappe an den Tisch. Sie fragt mich, ob ich den Zehen vorher küssen möchte - na klar, wird gemacht - und nach dem 'You can drink it fast, you can drink it slow, but your lips must touch the toe' stossen wir an und das Glas wird gekehrt. [Weil der Zeh zuerst etwas festklemmt, muss ich das Glas ein wenig schütteln, aber dann fällt er mir doch noch direkt auf den Mund.] Der Whisky ist gut und der Zeh erstaunlich weich. Sourtoe Cocktail Club, dabei.




Weiter geht es weiter zu Diamondtooth Gertie's. Im Oldschool-Casino kann man sein gefundenes Gold gleich wieder verzocken und wenn man nur noch leere Taschen hat, sich die Can-Can Show mit den 4 Girls, Gertie selbst und den geschleckten, aber symphatischen Lucky ansehen. Tolle Show, tolle Stimmung, tolles Ambiente.





Als wir um 22.35 Uhr die Spunte verlassen, geht just in dem Moment die Sonne hinter dem nächsten Hügel unter. Ein perfekter Abschluss unserer Zeit in Kanada.



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