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  • mattia

017 - Montana

Montana - unser letzter Staat, bevor wir von hier aus die Grenze nach Kanada überqueren. Auch hier gibt es vor allem viel Natur und wenig Menschen. Trotzdem kommt es uns nicht so 'leer' wie in Wyoming vor. Vielleicht liegt es daran, dass die Strassen hier tatsächlich dorthin gepflastert werden, wo ein paar Menschen wohnen.

Uns verschlägt es auf jeden Fall zuerst nach Bozeman. Die Kleinstadt mit dem gut klingenden Namen kommt immer wieder in die 'best small towns to live' Listen und wir wollen herausfinden, wieso. Nach der Woche im Yellowstone füllen wir im Walmart erst einmal wieder unser Kühlschrank und übernachten nach der langen Fahrt auch gleich dort.

Dazwischen stoppen wir bei unserem geliebten Secondhand-Laden 'Goodwill', von dem unterdessen die Hälfte unserer Kleider stammen. Kurz bevor wir die heutige Shoppingausbeute bezahlen wollen, fällt im ganzen Laden der Strom aus und alle Kunden müssen mit ihren Handy-Taschenlampen ausgerüstet das Gebäude für die nächsten 30 Minuten verlassen, bis das Licht wieder zurückkommt. Für uns nicht weiter tragisch, da es sowieso um die Mittagszeit ist und wir unsere Küche+Kühlschrank ja immer dabei haben.

Der Regen, der uns mitten in der Nacht aufweckt, hält den ganzen nächsten Tag an. Hart im Nehmen wie wir sind, ziehen wir die Regenjacken an, laufen die Main Street in Downtown hoch und runter und lassen keinen Schnick-Schnack-Laden aus, um dem Regen zu entfliehen. Beim Barber lasse ich mir die Haare schneiden [nächstes Mal mache ich es lieber wieder selbst, er hat es versaut] und Catherine kriegt einen halben Krug Cappuccino und eine Email-Tasse.

Da wir für den nächsten Abend [Freitag] Premiere Tickets für den neuen Star Wars-Film reserviert haben, quartieren wir uns für zwei Nächte auf einem privaten und mit 37$ verhältnismässig teuren Campingplatz ein. Der Stellplatz ist zwar extrem klein und eng, doch Dank Strom, Wifi und sauberen Duschen sehen wir darüber hinweg.

Nach unserer Date-Night mit dem jungen Han Solo geht es weiter nach Helena, die Hauptstadt von Montana mit immerhin 30'000 Einwohnern. Hier lassen wir bei 'Valvoline' für 75$ den anstehenden dritten Ölwechsel machen, den Luftfilter wechseln und suchen nach einem Ersatz für die verlorene Radkappe. Gar nicht so einfach, wie wir feststellen. Es gibt zwar etliche Pneu-Shops, doch keiner verkauft die Wheelcovers, die wir brauchen. Wirklich hilfreich sind die Verkäufer mit ihren Tipps auch nicht, darum versuchen wir es auf einem Schrottplatz, wo wir promt fündig werden. Ohne es richtig zu testen bezahlen wir, übernachten wieder bei Walmart und fahren am nächsten Tag weiter.

Auf dem Weg an den Flathead Lake biegen wir auf eine unscheinbare Nebenstrasse ab und besichtigen irgendwo im Nirgendwo 1000 Buddahs im Ewan Garden. Es passt zwar überhaupt nicht in die Landschaft und der sinnlos laute Bauer auf dem Heumäher versaut ein wenig die Stimmung, trotzdem ist es ein bleibendes Erlebnis.





In Polson schlafen wir dann zum dritten Mal innert fünf Tagen auf dem Walmart, da der State Park Campingplatz voll ist. Nicht weiter schlimm für uns, da wir so einen kleinen Batzen Geld sparen und wir am nächsten Morgen ohnehin in das etwas schäbig aussehende 'Miracles of America' Museum wollen.

Und wie sich das gelohnt hat. Die nette Lady mit Schnauz hinter der Kasse weist uns auf die Highlights des Museums hin und gibt uns eine Karte zur Orientierung mit. Diese brauchen wir auch, denn das Museum ist riesig. Alle Räume sind verschiedenen Themen der amerikanischen Geschichte gewidmet und vollgestopft mit alten, staubigen, teils verrosteten, teils noch fast fabrikneu aussehenden Gegenständen. Es steht so viel Zeug herum, dass die Museumsbetreiber es wohl einmal aufgegeben haben, irgendwelche dazugehörige Beschreibungen aufzustellen. Bei so vielen alten Maschinen und sonstigem Grümpel wäre es aber auch völlig überfordernd. Staunend und begeistert gehen wir von Baracke zu Baracke und fühlen uns immer wieder, als wären wir tatsächlich in die Vergangenheit gereist. Was für ein Highlight!







Genauso gut geht es mit unserem nächsten Schlafplatz weiter. Beim Big Arm State Park steht zwar immer noch 'Campground Full', doch dass das nicht immer stimmen muss, wissen wir nach 90 Tagen on the road auch. Wir probieren es also und können tatsächlich sogar zwischen zwei Plätzen auswählen. Obwohl unser lieber Henry komplett schräg steht, stellen wir ihn auf den Platz A5, der keine 5 Meter vom Seeufer ist. Hängematte raus und bei perfekter Temperatur einfach nur die Sonne und das Plätschern der Wellen geniessen. So lässt es sich leben.






Vor unserer Abfahrt in den Glacier NP zwei Tage später montiere ich das neue Wheelcover ans Hinterrad. Da es statt 16" deren 16.5" gross ist, muss ich es mit dem Letherman zuerst etwa eine Stunde lang bearbeiten, bevor alle Zacken so gebogen sind, dass sie ins Rad reinpassen. Ganz sicher sind wir uns bei der Sache nicht, doch wir beschliessen es mal so zu testen.


Im Glacier NP übernachten wir zuerst dreimal im Apgar CG. Unser Plan, den wunderschönen See per Kanu zu erkunden, fällt leider ins Wasser, da es die nächsten Tage immer dann regnet, wenn wir startbereit wären. So unternehmen wir ein paar Ausflüge mit Henry und lesen dazwischen viel. Wir kommen auch mit unserem Camping-Nachbarn Jeffrey ins Gespräch, der sich schampar für Henry interessiert - so sehr, dass er einen Tag später mit einem Notizzettel nochmals zu uns kommt und uns bittet, ihn doch zu kontaktieren, wenn wir den Camper verkaufen.




Da die Passstrasse namens 'Going-to-the-sun-road', die direkt auf die andere Parkseite führt, anfangs Juni noch wegen den extremen Schneemassen geschlossen ist, müssen wir statt 40km quer hindurch deren 95km ringsherum fahren.

Auf der anderen Seite reservieren wir uns zuerst einen Campingspot und fahren dann die offenen 13 Meilen der 'Going-to-the-sun-road' in den Park hinein. Nebst uns sind zwar noch einige Andere unterwegs, da die Hauptsaison aber noch nicht begonnen hat, ist an den Hotspots noch angenehm wenig los.






Beim Mittagessen auf einem Parkplatz mitten im Park staunen wir nicht schlecht, als der Typ, der aus dem Auto neben uns aussteigt, nicht nur ein Bärenspray sondern auch gleich noch eine Pistole am Gurt trägt. Etwas übertrieben, finden wir.

Dass es hier aber in der Tat einige Bären gibt, sehen wir ein paar Minuten später. Auf der Rückfahrt zum Campingplatz überqueren etwa 200 Meter vor uns zwei Grizzlys die Strasse. Auch aus dieser Distanz erkennen wir, dass das etwas andere Brocken sind.



Begeistert entschliessen wir uns, die selbe Strecke nochmals vor dem Eindunkeln abzufahren. Und auch da haben wir wieder ein riesen Glück. Zuerst sehen wir einen Schwarzbären beim Fressen am Strassenrand und dann weiter vorne sogar eine Mutter mit ihrem frisch zur Welt gebrachten und noch ganz verspielten Baby.





Tage 97 und 98 verbringen wir auf dem Many Glacier CG. Auf unserer Wanderung zu den Red Rocks Falls verhalten wir uns aufgrund der gestrigen Erfahrungen ganz anderst als sonst. Wir labern die ganze Zeit irgendwelchen Unsinn und schreien andauernd "Hey Bear" um ja keine Grizzlymutter zu erschrecken - was offensichtlich funktioniert, denn glücklicherweise kreuzen wir mit keinem den Weg.






Am nächsten und gleichzeitig letzten Tag in den USA ist das Wetter dann eher wieder so, dass wir froh sind, nicht mit dem Zelt unterwegs zu sein. Wir verbringen den Tag vor allem im Camper und bereiten uns auf den bevorstehenden Grenzübertritt vor. Einige ohnehin furchtbare Biere fliessen den Abfluss runter, der Pfefferspray, den wir eigentlich als Bearspray gekauft haben, schmeissen wir weg, da er in Kanada als Waffe gilt [natürlich teste ich ihn noch - er hätte eine Reichweite von 1.80m gehabt] und wir essen so viel vom frischen Gemüse, wie wir nur mögen. Auch wundern wir uns über unseren gleichaltrigen Nachbarn, der sagenhafte 2h lang in einer Ruhe seinen Camper putzt und das Ganze noch zu geniessen scheint. Komisch.

Wir relaxen den Rest des Tages, lassen die vergangenen 98 Tage ein wenig Revue passieren und freuen uns auf Kanada...

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