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015 - Ein typischer Tag im Camper

Die magische Grenze ist geknackt. Schon seit 100 Tagen sind wir im Camper unterwegs und aus ahnungslosen Anfängern sind wir mehr oder weniger routinierte Roadtrippers geworden.

Obwohl jeder Tag verschieden ist, gibt es gewisse Dinge, die auch in unserem 5qm Apartment gleich sind und bleiben. Hier ein Auszug von einem Tag, an dem wir von A nach B fahren und einiges Erledigen.



Der Morgen:

Vor 9 Uhr klettern wir selten aus dem Bett. Wieso auch? Wenn wir nicht gerade bei Walmart übernachten, klingelt mein Wecker [ja, den stelle ich wirklich] meist zwischen 9 und 9.30 Uhr. Ich bin dann sofort wach und Catherine snoozed noch so lange, bis ich sie wachrüttle. Über die Leiter geht es dann zuerst aufs Klo, denn um in der Nacht aus dem Hochbett zu steigen, dafür braucht es schon eine extrem drückende Blase. Catherine geht von der horizontalen Schlafposition in die halb-horizontale Sitzposition auf dem Sofa über, während ich ihr oder sie sich selbst ihren Kaffee aufsetzt [ich selbst trinke keinen]. Gemeinsam essen wir je nach Lust und Kühlschrank-Bestand Yoghurt oder Cornflakes und checken bei vorhandenem Handy-Empfang unser WhatsApp und Instagram.



Das Abfahrtsprozedere:

Nach dem Zähneputzen mache ich den Camper meist aussen zum Abfahren bereit, während Catherine innen alles regelt.

Ich: • Drehe den Gashahn zu • Schaue einmal unter den Camper und gehe rundherum • Fahre 50cm nach vorne oder hinten, um die gelben Nivellier-Blocks abzubauen • Und verstaue noch unseren Zusatztritt




Catherine: • Schaltet den Kühlschrank aus [läuft nur mit Gas oder 120V, deshalb lassen wir ihn in den meist 3h Fahrt einfach aus] • Verräumt das Puff, das ich auf dem Tisch hinterlassen habe • Faltet die silbernen Front- und Seitenscheiben-Sichtschutze zusammen • Und hängt unser Bücher-Korb ab.

Wenn auch das Geschirr in der Küche sicher verstaut ist, gehen wir beide im Cockpit nochmals wie Pilot und Co-Pilot unsere Liste durch und starten erst dann den Motor.

Dumpen [Unsere Schmutzwasser-Tanks leeren]:

Unser WoMo hat einen Frischwassertank und zwei Schmutzwasser-Tanks, einer für Geschmirr und Dusche, einer fürs Klo. An der Dumpstation ziehe ich Handschuhe an, da ich mit dem Schlauch, durch den das Abwasser fliesst, hantiere. Ich montiere zuerst ein Ende an den Abfluss-Rohren von Henry, dann stecke ich das andere in das Loch im Boden, wo die Klappe meist mit einem Stein beschwert ist. Catherine öffnet per Hebel den Blackwater-Tank [Klo] und danach den Greywater, um mit dem Geschirr/Tomatensaucen-Wasser gleichzeitig unser Pipi runter zu spülen [kleine Info am Rande: Wir nutzen das Klo im Camper nur für Nummer 1]. Währenddem ich den Abfluss-Schlauch noch mit sauberem Wasser abspritze, fährt Catherine zur Trinkwasser-Station und beginnt, das Frischwasser aufzufüllen. Gleichzeitig wischt sie mit Schüfeli-und-Bäseli den Camper raus und kontrolliert immer wieder den Füll-Stand. Dumpen dauert etwa 3 Minuten, Wasser auffüllen etwa 7 Minuten, je nach Wasserdruck der Station.



Die Fahrt:

Spätestens 30 Sekunden nach Abfahrt steckt im Zigaretten-Anzünder der weisse Adapter, der entweder unsere Handys, iPads oder Kamera-Akkus lädt. iPads sind in ca. 1.5h Fahrt voll geladen, die Handys scheinen irgend ein Problem damit zu haben und laden extrem schlecht. Ein Akku unserer Kamera benötigt ca. 2h Fahrt&Ladezeit. Da wir unterdessen in Regionen sind, wo es nicht mehr sehr viele Strassen gibt, navigieren wir ganz oldschool mit Strassenschildern. Auf Google Maps schauen wir nur, wenn wir wissen wollen, wie lange es noch dauert, wenn wir bei einer Kreuzung doch nicht ganz sicher sind oder wir noch etwas einkaufen müssen. Auf langen Strecken [Fahrtzeit 4h+] wechseln wir uns hinter dem Steuer meist alle 1.5h ab, bei kürzeren Distanzen fährt auch oft einer einfach durch.

Tanken:

Henry Ford hat Jahrgang 1995, ist damit 23 Jahre alt und trotzdem ein sehr erfahrener Säufer. • Bei ökonomischer und ökologischer Fahrtweise, gerader Landschaft und lauem Wind kriegen wir 10 mpg [miles per gallon], was, 23l/100km sind. • Eine Tankfüllung in Texas hat uns 73$ gekostet, hier in Canada kostet sie uns umgerechnet 115$. • Pro Tankfüllung kommen wir zwischen 450 und 500km weit.

Die Mittagspause:

On the road essen wir meist irgendwo neben der Strasse etwas sehr Einfach-Zubereitetes. Sind wir auf einem Campingplatz, ist es nicht anderst, Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel.

Die Ankunft auf dem Campingplatz:

Sind wir auf unserem Platz angekommen, steigt einer vom Cockpit in den Wohnraum, schaut auf die beiden Wasserwaagen und schreit "Isch guet" oder "Isch scheisse". Im zweiten Fall steigt Mattia aus dem Auto, baut die gelben Blocks zusammen und weist Catherine an, damit sie darauf fahren kann. Da dies nicht so einfach ist, wie es scheint und die Geduld nach einer langen Fahrt oft schneller zu Ende ist, als man denkt, wird hier unsere Liebe immer wieder getestet. Spätestens beim dritten Versuch mit Fluchen steht Henry dann aber meist gerade genug. Mattia dreht den Gashahn auf, Catherine stellt den Motor ab und wir richten uns ein.

Am Nachmittag und Abend unternehmen wir etwas oder auch nicht, jeden [Fahrt-]Tag zeichnen wir aber auf der Karte unsere Strecke ein und notieren im Tagebuch unsere Erlebnisse in Stichworten.




Duschen: ...ist auch nicht einfach Heisswasser-Hahn anstellen und reinsteigen. Da die Haus-Batterie gleich nach dem Fahren am besten geladen ist, duschen wir meist abends nach der Ankunft auf dem Campingplatz. Zuerst stellen wir die Wasserpumpe an und dann den Warmwasser-Aufbereiter. Bis genug warmes Wasser am Stück aus dem Duschkopf kommt, gilt es gute 20 Minuten zu warten, dann ist es aber wirklich südig heiss. In der engen Dusche stellen wir das Wasser beim Einshampoonieren ab, da sonst der Frischwasser-Tank zu schnell leer wird und auch die zweite Person nicht mehr genug heisses Wasser hat [sehr unangenehm]. Wenn wir an kalten Tagen Haareföhnen, starten wir den 4000 Watt-Generator, der nach 5 Minuten genug warm ist, um den Fön mit gleichmässigem Strom zu versorgen. Catherine braut in dieser Zeit fast immer gleichzeitig Kaffee für die nächsten Tage vor , denn ihre Maschine braucht ebenfalls Strom aus der Steckdose, den wir auf Campingplätzen nur selten haben.

Der Abend:

Das Abendessen ist meist rechhaltiger und aufwändiger und schmeckt darum auch besser. Einer kocht, der andere wäscht ab und bis zum Zähneputzen relaxen wir nebeneinander. Vor dem Bett gehen wir nochmals aufs Klo [siehe 'Der Morgen'] und überprüfen, ob alle Türen abgeschlossen sind. Wir ziehen die Rollläden, montieren die Sichtschutze und steigen via Leiter ins Bett, wo wir den Tag revue passieren lassen, an unsere Freunde, Familien, Bekannte und treue Blogleser denken und dann gegen 23.30 Uhr das LED-Licht ausschalten.


Spannend, oder? ;-)



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