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  • mattia

012 - Arizona

Wie bei McDonalds gibt es auch im National Park System der USA sogenannte "Drive-Thru" Parks. Der Petrified Forest [N.P.] ist für uns einer davon. Von der I-70 [Autobahn] führt uns die Ausfahrt diretissima zum Visitor Center und dann zur Entrance Station. Auf der einzigen Strasse fährt man etwa 40 Meilen südwärts, wo das andere Ende resp. Visitor Center ist. Dazwischen hat es etwa 10 Parkplätze, von denen man in höchstens 2 Minuten auf gepflästerten Gehwegen bei einem Aussichtspunkt ist.



Schön ist es dennoch sehr. Versteinerte Baumstämme, graue Mondlandschaften und farbige Wüstenhügel [Painted Desert] sorgen für reichlich Abwechslung in den lediglich 2 Stunden, die wir auf "Park-Territorium" verbringen.




Während es im Park selbst logischerweise streng untersagt ist, sich ein versteinertes Andenken mit nach Hause zu nehmen, kümmert es die vielen "Rock Shops" in den angrenzenden Dörfchen umso weniger. Fast jeder Tankstellen-, Motel-, Restaurant-, Souvernirshop-Besitzer hat Unmengen der Steine im Vorgarten rumliegen und hofft auf die weniger nachhaltigen Durchreise-Touristen.



Auf dem Parkplatz einer dieser Shops dürfen wir freundlicherweise übernachten. Obwohl wir es von unserer App schon wissen, fragen wir anstandshalber noch die nette alte, aber so gern jung gebliebene Verkäuferin des riesigen Souvernirladens und kaufen zum Dank ein feines Fanta und ein CocaCola ohne Blötterli. Vor dem Shop stehen etwa 10 Autos, doch ausser uns ist niemand drinnen. Wir sind zuerst etwas perplex, erkennen aber beim Davonfahren, wieso das so ist. Jedes der Autos hat mindestens einen platten Reifen und steht nur vor dem Shop, damit der Eindruck ensteht, hier wäre 'the place to be'... Old School Marketing.

Weiter auf der alten Route 66 in Richtung Westen sehen wir am Strassenrand eines der braunen Schilder, die auf kulturelle oder natürliche Sehenswürdigkeiten hinweisen. 'Meteor Crater' steht geschrieben. Blinker rechts und raus. Doch zu früh gefreut. Da der Meteorit auf einem privaten Grundstück eingeschlagen hat, wird das Ganze im Gegensatz zu den staatlichen National Monuments und Parks auch entsprechend verkauft. Unverschämte 18$ pro Person werden an Eintritt verlangt. Einen solchen Wucher für ein Loch in der Erde? No thanks, see you, zurück auf die Interstate und weiter nach Flagstaff.

Dort entscheiden wir uns, bei 'Cracker Barrel' zu übernachten. Das mit Hirschgeweihen, alten Emailschildern und Jagdgewehren eingerichtete Restaurant, das auch bei Truckern sehr beliebt ist [unter anderem deswegen, weil es um 6 Uhr morgens bereits deftigste Kost gibt], hat hinter dem Haus 6 Gratis-Parkplätze speziell für RVs. Wie begehrt diese sind, merken wir, als wir vom Abendessen zurückkommen [bei dem wir erfahren, dass unsere Servierdüse noch nie am Grand Canyon war - Fahrtzeit 1h]. Alle Plätze sind voll und bis spät in die Nacht kommen noch weitere RVs, die sich dann halt einfach auf die regulären Parkplätze hinstellen.

Weil Nächte auf Parking-Lots in Städten nie die besten und angenehmsten sind, läutet unser Wecker am nächsten Morgen schon um 06:15 Uhr. Wir wollen früh genug auf dem Campingplatz beim Grand Canyon sein. Wie in vielen anderen National Parks ist derjenige, den wir uns ausgesucht haben, nämlich nach dem 'First Come, First Serve' oder 'S'het, solang's het' - Prinzip organisiert. Nach einem echten Höllenritt [Fahrt-Seitenwind der übelsten Sorte] kommen wir um 9 Uhr an und haben glücklicherweise noch viele freie Plätze zur Auswahl. Wir bezahlen unseren Platz, hauen beide einen Power-Riegel rein und machen uns gleich wieder auf zum Desert View Point.

Da ich den Grand Canyon schonmal gesehen habe, führe ich Catherine zur Kante, ohne das sie 'vor'schauen darf, damit der WOW-Effekt noch grösser ist.





Den Rest des Tages fahren wir die Scenic-Route zum Grand Canyon Village hin und her und besuchen unser bisher grösstes Visitor Center. Am Mater-Point, dem Haupt-Aussichtspunkt des Grand Canyons, bleiben wir nur kurz, da es schlichtwegs zu viele Leute hat.


Via Dump-Station, bei der ein Hirsch Gebrauch vom übergelaufenen Trinkwasser macht [zum Glück davon, es hat dort ja meist noch andere Flüssigkeiten] und einer Kreuzung, die sie just in dem Moment, an dem wir sie eben kreuzen wollen, neu asphaltieren [=Wartezeit für uns gute 20 Minuten] kehren wir zurück zum Campground. Dieser ist unterdessen tatsächlich komplett voll und sogar der Arschloch-Platz [es hat einen Platz direkt am Eingang, der nur vergeben wir, wenn alle anderen bereits voll sind] ist belegt.



Am Tag darauf schnüren wir nach langem wieder Mal die Wanderschuhe und nehmen uns den South Kaibab Trail vor. Motiviert von der Einfachheit des Abstiegs, trampeln wir im Nu vom Canyon-Rand 900 Höhenmeter zum Skeleton Point runter. Auf dem Weg kreuzen wir immer wieder Maultier-Flotten, die entweder faule/gut bezahlende Touristen oder Material transportieren und für abwechslungsreiche Düfte sorgen. Von unserem Umkehrpunkt wäre es eigentlich kein Problem, noch bis ganz runter zum Colorado River zu gehen, doch das tückische ist ja, dass der Aufstieg erst danach resp. für uns jetzt folgt. Mit jedem Tritt [hoch natürlich] verstehen wir die Maultier-Touris besser und nach 10 Serpentinen wünschen wir uns definitiv, zwei von ihnen zu sein.





Tage Nummer 52, 53 und 54 verbringen wir in Page. Eine unscheinbare Kleinstadt, die jedoch einiges zu bieten hat. Horseshoe Bend, Antelope Canyon, Lake Powell, Glen Canyon und der grösste Walmart-Campingplatz, den wir bisher gesehen haben.



Den Horseshoe Bend schauen wir uns zuerst an. Beim Besichtigen wird uns einmal mehr klar, wie glücklich wir sind, mit so viel Zeit und bewusstem Geist unterwegs zu sein.

Neben einigen wenigen Gleichgesinnten, die zuerst ankommen, stauen, geniessen und dann Fotos machen, beobachten wir so viele Selfie-Idioten, die ihr Leben riskieren und bis an die äusserste Grenze des Abgrunds gehen um ein Bild zu machen, dass schlussendlich eben doch nicht so super aussieht oder allgemein Leute, die vor lauter Zwei-Wochen-Ferien-Stress die wirkliche Schönheit der Natur wohl nur via Handy-Screen wahrnehmen, da Likes mindestens genauso, wenn nicht sogar wichtiger, sind, als ihre Reise bzw. das Erlebnis selbst. Schade und ein stückweit traurig, welchen negativen Einfluss Social Media auf das Leben gewisser Leute bereits genommen hat.

Der Antelope Canyon gehört auch zu den Sehenswürdigkeiten mit zwei Seiten. Wunderschön, aber leider so verkommerzialisiert, dass es schwerfällt, es richtig geniessen zu können. Der Canyon, der wie der Meteroritenkrater auf privatem, in diesem Fall Navajo-Land ist, kann nur mit einer vorgängig gebuchten Tour besichtigt werden.



53$ pro Person werden verlangt. Autsch. Trotzdem ist praktisch jeder Tag ausgebucht und so drängen auch wir uns mit unserer 15er Gruppe durch die wunderbar geformten Wellen aus Sandstein, während wir entweder vom anderen Gruppen überholt werden oder wir wegem denjenigen vor uns warten müssen. Dank unserem Tourguide Josh, der super nett und mega motiviert ist, rückt der ganze Trubel nach dem anfänglichen Schock jedoch bald in den Hintergrund und wir laufen wie alle anderen mit staunenden Augen die rund 70 Minuten durch den engen Canyon. Zurück am Obergrund ist das Fazit schnell gezogen: Es hat sich definitiv gelohnt!






Abgeschlossen wird unser Arizona-Besuch am Lake Powell. Am Sandstrand suchen wir einen Spot, der uns genügend hart erscheint und wir stellen uns für die Nacht hin. Von meinem grünen Campingstuhl aus zähle ich die Autos, die im Sand stecken bleiben. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, bald lasse ich es sein... Gewisse Spezialisten schaffen es sogar zweimal. Ein Abschlepp-Dienst würde hier an einem sonnigen Wochenende wohl ähnlich gut verdienen, wie die Navajos vom Antelope.



Arizona bleibt für uns als Staat mit unglaublich schönen Sehenswürdigkeiten in Erinnerung, zeigt uns aber auch, wie verschieden man diese erfahren kann.

On to Utah. 

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