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  • mattia

011 - New Mexico

The Land of Enchantement [Bezauberndes Land] - so lautet das Motto von New Mexico. Nach dreieinhalb Wochen können wir dies zu 100% bestätigen. Wunderschöne wilde Natur, spannende Kultur und grüne und rote Chile-Sauce, egal wo man is(s)t.

Gleich nach dem Grenzübertritt von Texas machen wir bei den Carlsbad Caverns [National Park] halt. Begleitet von herumfliegenden Fledermäusen steigen wir fast 300m runter in die riesige Tropfsteinhöhle. Der Big Room zuunterst ist über einen Kilometer lang und an der höchsten Stelle 80m hoch. Obwohl es viele Besucher hat [auch solche, die das Naturspektakel mit dem iPad fotografieren...], flüstern alle. Diese Stille, die kalte Temperatur und die unfassbaren Dimensionen machen den Besuch zu einem unvergesslichen, mystischen Erlebnis.

Nach 2 Stunden in der Höhle gönnen wir uns für den Retourweg nach oben den Lift. Ja richtig, vom tiefsten Punkt gibt es einen Lift, der uns direkt neben dem Gift-Shop - ja richtig, dort unten haben sie auch einen Gift-Shop mit Snacks hingebaut - zurück ans Tageslicht führt. Um die Dekadenz zu relativieren: sämtliche Wege in der Höhle sind rollstuhlgängig und können dank dem Lift auch entsprechend genutzt werden. Stark!

Via Strassen, über die nur jemand fährt, der sich vom allwissenden Google Maps leiten lässt, erreichen wir dann am späteren Abend den Bottomless Lakes State Park bei Roswell. Für 14$ gönnen wir uns den zweiten Luxus des Tages: Strom- und Wasseranschluss am Standplatz. Bei Fajitas und einem wunderbar romantischen Abendrot lassen wir das erste Back-Up von Fotos + Videos auf die externe Festplatte laufen [90 GB, ups].



In Roswell dauert es nicht lange, bis einem deutlich wird, wieso man hier ist. Das Willkommen-in-der-Stadt-Schild, ALLE Läden an der Main Street, die Strassenbeleuchtung, ja sogar der McDonalds, alle sind entweder in der Form eines UFOs oder gespickt mit Aliens. Im UFO-Museum kann man sich mittels Zeitungsartikeln, Original-Zeugenaussagen und anderen Beweisen vergewissern, dass im Jahr 1947 tatsächlich etwas ko(s)misches passiert ist.



Felsenfest davon überzeugt ist auch der lokale Republikaner [wiedermal, Jahrgang 1947] im Army-Shop.


"Do you believe it?" "Oh, I know damn sure something happened. I was born in the same year and lots of people told me that there were bodies. It might not have been green little men, but there was definitely a crash and there were bodies that were not from this planet.“


Über einen 2300 Meter hohen Pass, vorbei am Grab von Billy-the-kid und dem grössten Pistache von New Mexico fahren wir zum White Sands National Monument.

Nach einer extrem windigen Nacht auf BLM-Land [Bureau of Land Management: öffentliches Land, auf dem Wildcampen offiziell erlaubt ist], trauen wir unseren Augen kaum, als wir in den weissen Sanddünen stehen. Eine Schönheit, die Worte nicht beschreiben können.



Beim obligaten Besuch im Visitor Center entdecken wir einen EarthRoamer [für die interessierten Männer: Ein Offroad-Camper, den es sich lohnt, zu googlen], einen alten Chinook [das feminine Pendant dazu] und einen Gratis-Wasserspender, an dem wir unsere zwei Gallonen Trinkwasser auffüllen. Zwei Glacés für je 75 Cents leisten wir uns auch noch. Life is good.

Ironischerweise ist direkt neben dem White Sands National Monument eine Air Force Base inkl. Missle Test Range. Die Strasse, die parallel verläuft, wird etwa alle zwei Wochen für zwei oder mehr Stunden gesperrt, dann werden nämlich Raketen getestet und das Zielgebiet ist von den White Sands in Sichtweite.

Von der weissen Sahara geht es weiter südlich in die New-Mexikanischen Dolomiten. Aguirre Springs heisst der schöne Campingplatz unter den zerklüfteten, rassiermesserscharfen Felsen. Einmal mehr entscheiden wir uns bei der Ankunft, dass es uns hier gefällt und wir deshalb etwas länger bleiben. Wir machen einen 2.5-stündigen Power-Hike, auf dem wir 0 Klapperschlangen, 11 Menschen und etwa 234 Stinkkäfer sehen. Auf dem Weg werden wir von einem entgegenkommenden Paar gefragt, ob wir [Innenarchitektin und Betriebsökonom] wüssten, was das dort für ein Baum sei, sie beiden wären eben aus Missouri. Catherine's Antwort "No sorry, we are from Florida". Alle lachen.


Auch der City of Rocks Park entspricht dem Motto des Staates bestens. Braune, wohlgeformte Steine, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen. Um auch garantiert den schönsten Platz zu finden, umkurven wir den Park zuerst dreimal und bringen dann unseren lieben Henry beim Einparkieren definitiv ans Limit seiner Offroad-Fähigkeiten. Dass wir dabei von späteren Freunden beobachtet [und wahrscheinlich auch ausgelacht] werden, wissen wir da noch nicht. Trotz erneut sehr windiger Witterung geniessen es, klettern auf den Steinen rum und beobachten aus dem Schlafzimmer-Fenster bei Vollmond vorbeilaufende gefährliche Stinktiere und Wildkatzen [ok, Hauskatzen, die in die von Camper in die Wildnis ausgesetzt wurden, wie wir von der Park Rangerin erfahren].



Weiter durchs Hinterland fahren wir auf immer enger und schlechter werdenden Strassen hoch in den Gila National Forest. Es geht rauf und runter und immer weiter weg von der Zivilisation. Handy-Empfang haben wir am bald keinen mehr und das Benzin an der einzigen Tankstelle im hintersten Stück des Tals kostet $3.68 [sonst ca. $2.50]. Und dann passiert es. Beim Abbiegen auf den Parkplatz des Campingplatzes sehen wir es. Ein Zuger Nummernschild! Schweizer!!!. Wir kriegen fast eine Herzbarake und schauen uns nur noch blöd an. Kann das sein? Ja, wie sich herausstellt. Mike und Manuela, beide um die 40, haben ihr Fahrzeug nach Baltimore verschifft und haben für ihr Jahr das gleiche geplant wie wir. Wir lernen uns kennen und tauschen uns lange über bereits Erlebtes, Geplantes und Lustiges aus. Alle freuen sich, wiedermal mit jemand anderem Schweizerdeutsch zu reden.

Vom Upper Scorpion Campground machen wir uns tags darauf am Morgen auf zu sogenannten Cliff Dwellings. Vor etwa 700 Jahren wurden in sechs Höhlen vermeintliche Häuser gebaut, die heute noch in erstaunlich gutem Zustand sind.



Am Nachmittag gehts dann zu einer heissen Quelle, wo man sogar baden kann. Bei den zwei Flussquerungen [eher Bach als Fluss] schafft es eine ältere, aber noch nicht so alte Dame, dass es eine Entschuldigung wäre, trotz Hilfs-Stecken tatsächlich, zuerst mit dem Einen, dann mit dem anderen Fuss und schlussendlich vollständig ins Wasser zu fallen. Wir, ihre Wandertruppe und die drei Mexikaner lachen voller Schadenfreude. Bei den Hot Springs setzen wir uns in die Natur-Pools und ich mache gegenüber der nassen Lady noch einen dummen Spruch, den sie aber auch lustig findet. Die drei Mexikaner sind die gleichen, die mir auf dem Campingplatz meine perfekten Holzscheite geklaut haben [ich war noch am Schlafen und sie sind an diesem Morgen erst angekommen und haben wohl gedacht, diese wären extra für sie vorbereitet]. Grosszügig wie ich bin erwähne ich es nicht, es würde die Idylle beenden. Welche Idylle? Diese: Catherine und ich sitzen in den Badhosen und Bikini im Pool, während zwei der Mexikaner mit hochgekrempelten Hosen gleich nebenan ihre Füsse baden und schweigen. Nach 10 Minuten und ein dann doch wenig Smalltalk [einer war erst kürzlich geschäftlich in Basel] ziehen sie dann endlich von dannen.


Unwissend, ob unser 1/4 voller Tank bis zur nächsten Stadt reicht, machen wir uns nach den paar Tagen wieder auf den Weg nach Silver City. Nach eineinhalb Stunden auf einspurigen "mountainous" Strassen ist der Tank im besagten Silver City immernoch 1/4 voll und wir kaufen wiedermal bei Walmart ein.



Via einem weiteren BLM-Overnight-Stop geht es nun definitiv durchs "AdW". Bei "Apache Creek", wo wir übernachten wollten, wären wir die Einzigen, was ja eigentlich ganz ok wäre, wären da nicht lauter Knochen, Hirsch-Schädel, abgeschnittene Vorderbeine, an denen noch das Fell hängt und dreckiger Lumpen. 90 Minuten weiter nördlich finden wir in Datil Well einen Platz, an dem es uns wohler ist.


Auf dem Weg nach Albuquerque kreuzen wir das Very Large Array, in ABQ selbst übernachten wir einmal auf einem Campingplatz, der direkt an der Route 66 liegt und dessen Büroräume auch noch richtig schön nach 60er Jahre aussehen, und einmal in der Einfahrt einer Boondockerin, die wir aber nicht treffen, da sie um 3 Uhr morgen aufsteht [Krankenschwester] und deshalb früh ins Bett geht. Albuquerque selbst lernen wir mit gemischten Gefühlen kennen. Die Old-Town ist nur für Touristen. Gift-Shops und Jewelry überall, authentisch sind nur noch die alten Adobe-Gebäude. In Nob-Hill, dem Trend-Viertel, gibt es zwar superfeine Pizza-by-the-slice und einen Urban Outfitters, aber sonst auch nicht viel mehr. Dazwischen stehen einerseits an wirklich jeder Ampel mehrere Homeless/Junkies und andererseits plötzlich völlig ecoole Häuser. Auf dem Parkplatz der Einkaufszentren fahren Security-Autos herum, für uns ein Grund mehr, wieder raus in die Natur aufzubrechen.



Hinter dem Sandia Peak auf dem Purple Heart Trail stoppen wir zuerst in Madrid. Ein Dörfchen mit einer [!] geteerten Strasse, an der sich viele Künstler mit ihren Gallerien niedergelassen haben.



Zweiter Halt ist in Los Cerrillos, wo wir die Künstler nicht finden, dafür einen Streichelzoo mit 12 Hühnern und einem Alpaca. Eintritt 2$.

Vom Cochiti Lake gehen wir zu den Tent Rocks [National Monument], einem weiteren Ort mit speziellen Steinformationen. Auf der Hinfahrt überqueren wir [Ich am Steuer] einmal etwas [viel] zu schnell eine Regenrinne, die sich einfach zu gut in der Strasse versteckt hat, was dazu führt, dass fast unsere ganze Küche aus den Schränken fliegt. Dem robusten Corelle-Glas sei Dank, haut es nur einen kleinen Ecken an einer Schüssel ab, der Rest bleibt unversehrt. Durch den teils sehr engen Canyon wandern wir 150m hoch auf den Aussichts-Gipfel. Schön.



Auch schön ist Bandelier [National Monument]. Nach dem Berner Adolf Bandelier benannt, hat es dort wieder Cliff Dwellings, etwas grössere, und noch andere Überbleibsel von den Ureinwohnern. Beim erneuten Suchen des schönsten Schlafplatzes kriegen wir die zweite Herzbarake. Manuela und Mike! Schon wieder! Da wir diesesmal Bier haben setzen wir uns am Abend zu Ihnen und plaudern drei Stunden lang bis es zu dunkel und kalt wird. Mit der Handy-Taschenlampe laufen wir zügigen Schrittes zu unserem Camper zurück, hier hat es nämlich Bären und Mountain Lions.

Nach 42 Tagen auf der Strasse checken wir in Santa Fe für vier Tage ins historische Hotel La Fonda ein und lassen Henry Ford auf dem Parking Lot neben der Basilika von Franz von Asissi stehen. Catherine's Eltern und die befreundeten Rampls "besuchen" uns in New Mexico. Wir verbringen die nächsten Tage mit Ihnen und geniessen:

• Das King-Size Hotelbett • Heisses Wasser, das promt rraus kommt • Zu duschen, wann wir wollen • Wifi, Fernsehen, Steckdosen • Toiletten zum Splülen statt Plumsklos • Tacos, Enchiladas und Steaks in Restaurants • Margherita's in der Bar • Cappuccinos und Crêpes im French Coffee • Cajun Fries mit Avocado, Garlic, Marshmallow und Bloody Mary Sauce • und und und...



Wir schlendern durch die Canyon Road, in der sich eine Gallerie an die andere reiht, besuchen die Ghost-Ranch, die auf TripAdvisor einen von fünf Sternen erhalten würde [Reinfall], finden in Los Ojos [gerne mal bei Google Earth anschauen] kein Restaurant, überwinden einen 3200m hohen Pass, der noch schneebedeckt ist, sind in Taos fasziniert von den vielen Earthships und haben eine super Zeit. Die Stimmung in unserer Reisegruppe, die netten, aufgestellten Leute in den Strassen, das Wetter und die Stadt selbst machen Santa Fe zu einem der vielen Highlights unseres bisherigen Abenteuers.

Mit aufgeladenen Batterien nehmen wir Mayo, Senf und Ketchup wieder aus der Minibar [den Kühlschrank im Camper haben in den vier Tagen wir ausgeschaltet], geben die Zimmerschlüssel vom Room 208 wieder ab und machen uns via Route 66 in Richtung Westen. In Gallup, kurz vor der Grenze zu Arizona, halten wir bei den Red Rocks und leisten uns die 22$ für den Stromanschluss. Das WiFi ist so schnell, dass uns das "Zurück-Gewöhnen" leichter fällt. Denn wieder unterwegs zu sein, ohne all die Selbstverständlichkeiten, die man unter einem [Haus-]Dach hat, ist in den ersten zwei, drei Tagen gar nicht so einfach.

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