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  • mattia

009 - Alabama, Mississippi, Louisiana

Nach unserer Entscheidung, Atlanta ohne gesetzeskonform-funktionierenden Rücklichtern hinter uns zu lassen, fahren wir jeweils tagsüber via Selma/Paul Grist State Park [letzter Blogpost] rund 200 Meilen in die Hauptstadt Mississippi's 'Jackson'.

Auf dem Weg dahin vereinbaren wir per Telefon einen Service-Termin bei Camping-World, einem der grössten RV-Dealern des Landes und hoffen, hier unser erstes [und hoffentlich für lange Zeit letztes] technische/mechanische Problem loszuwerden. Nach kurzer Rücksprache und dem Abklären einiger Details vor Ort erhalten wir einen Termin für den nächsten Morgen.


Auf einem kurzen Abschnitt des wunderschönen Natchez Trace Parkway fahren wir zu Eddie [Boondocking-Mitglied], der uns kurzfristig bei sich übernachten lässt. Dort angekommen, weist er uns durch die extra für Boondocker gestutzen Bäume in den Standplatz ein und gibt uns eine Tour durch seinen Camper mit Heizung im Cheminée/Feuerstellen-Look.


Im Gespräch mit ihm merken wir dann, dass wir uns nun definitiv im Bible-Belt, dem religiösen und konservativen Süden der USA befinden. Seine Frau war 40 Jahre lang Lehrerin an einer christlichen Schule und er selbst ist überzeugt, dass das wirtschaftliche Hoch der USA der 1-jährigen Amtszeit von Präsident Trump zu verdanken sei. Ok. Als er dann beim Besichtigen von Henry merkt, dass wir zwei als unverheiratetes Paar im gleichen Bett schlafen [!!!] beginnt er stark zu husten, bricht das Gespräch aprubt ab und geht stampfend ins Haus.


Nach einer gewittrigen Nacht und extrem lautem Regen, der 50cm über unseren Köpfen auf das Kunststoff-Dach prallt, sind wir am Dienstag [6. März] pünktlich um 7:45 Uhr bei Camping-World und geben die Fahrzeug-Schlüssel am Service-Desk ab. Auf was wir uns dabei eingelassen haben, wissen wir jetzt leider noch nicht...


Wir setzen uns in die Customer Lounge und müssen von nun an warten. Wir warten und warten und warten bis uns um ca. 10 Uhr eine Dame informiert, dass sie das Problem gefunden haben - es sei ein 'Grounding' [Erdung?!] Problem und die Reparatur kostet etwa $390. Ufff, bad news. Doch wir haben keine andere Wahl, stimmen zu und warten weiter. Sagenhafte sechs Stunden später mit nichts als Ritz-Crackern und einem Becher Wasser werden wir dann endlich erlöst.


Die Rücklichter funktionieren wieder. Wir bezahlen die $374 und wollen einfach nur noch weg. Doch zu früh gefreut. Nach dem Essen bei McDonald's wollen wir im Camper die Hände waschen, stellen aber fest, dass die gesamte Elektronik im Wohnbereich ausgestiegen ist. Stinkesauer kehren wir um und warten weitere 45 Minuten, bis die Servicetechniker das Ganze wieder in Ordnung bringen. Noch entnervter als zuvor testen wir noch auf dem Parkplatz von Camping-World ALLES dreimal durch und machen uns dann aus dem Staub.

Der Weg nach Natchez auf dem gleichnamigen 'Natchez Trace Parkway' [ein 8'000 jähriger Handelspfad der Indianer] lässt uns dann den miesen Tag verdauen und beruhigt unsere Gemüter wieder. Wir sind zwei Stunden lang praktisch alleine unterwegs und geniessen die wiedermal kurvenreiche Strasse durch die schon recht grünen Wälder. Auf dem Parkplatz des Visitor Center stellen wir uns zwischen zwei Kollegen aus Nova Scotia und North Carolina und finden sogar eine 30 Ampere-Steckdose. Jackpot - der ereignisreiche Tag nimmt doch noch ein gutes Ende.

Das kleine Städtchen Natchez [ca.15'000 Einwohner] lässt sich am nächsten Morgen prima zu Fuss erkunden. In bissig-kaltem Wind staunen wir zuerst über die pompösen Antebellum-Villen aus der Baumwoll/Sklaven-Ära und dann über den riesigen, braunen Mississippi.


Neben einem Park am Fluss entdecken wir ein Haus im 'Swiss-Chalet-Style' namens Edelweiss - wobei die Architektur so viel mit einem Chalet zu tun hat, wie man das hier erwarten würde.

In gleichen Park finden wir eine 'Free Library' [Bibliothek] in der Grösse eines Vogelhauses, aus der wir zwei neue Bücher auswählen. Wie es der Zufall will, ist das einzige Buch, das mich interessert vom Autor Randy Wayne White, der auf Sanibel wohnt und dort auch ein Restaurant hat.

Nach vielen schönen alten Häusern, grossen aber auch kleinen, lernen wir zurück beim Camper den lustigen Nachbarn aus North Carolina kennen.

Er habe gleich erkannt, dass wir zwei RV-Neulinge sind, da wir gestern

Abend als Erstes direkt das Stromkabel angeschlossen haben. Er hat ja drei 85 Watts-Solarpanels, so sei er völlig unabhängig. Wenn wir das auch sein wollen, bräuchten wir das unbedingt auch.

Ich stimme freundlich zu und denke, dass er nebst Camping-Fachmann auch noch Profi-Rennfahrer sein muss, denn die Pneus an seinem 4x4 Ford F450 haben etwa gleich viel Profil wie die eines Formel-1-Autos nach 60 Runden. Nach einem Witz von ihm, den nur ihn zum Lachen bringt verabschiede ich mich und wir beide verschwinden wieder ins innere unserer fahrbaren Häuser.


Nach der zweiten Nacht auf dem Parkplatz ist unser nächstes Ziel New Orleans. Vom Camping-Platz im State Park etwas ausserhalb nehmen wir für $22 ein UBER zum French Quarter. Die stinkende Bourbon-Street mit den vielen Betrunkenen [um 17 Uhr wohlgemerkt] und Obdachlosen lassen wir rasch hinter uns.

Abseits vom Trubel spazieren wir durch gruslige Vodoo-Shops, Hinterhof-Gallerien und entlang den vielen typischen Gebäuden mit ihren verziehrten Balkonen..




Im Restaurant, in dem angeblich auch schon ehemalige Präsidenten gegessen haben, schlemmen wir French Onion Soup [nur Catherine] und Hamburger. Vor unserer Weiterfahrt profitieren wir noch von der Gratis-Waschmaschine + Tumbler und der gratis Dump Station.

Entleert [Henry Ford] und mit Frischwasser aufgefüllt verbringen wir die kommenden beiden Tage nämlich am Strand.

Mithilfe des Apps iOverlander haben wir 'Rutherford Beach' gefunden, einem Wildcamping-Spot am Golf von Mexico. Mit etwa fünf anderen Campern, alle etwa 100 Meter voneinander entfernt, übernachten wir dort und schlafen zu Wellenrauschen ein [hach wie romantisch].

Am zweiten Tag zählen wir all die Ölbohrinseln vor der Küste - es sind 25 - und nutzen zum ersten Mal unser Solar-Panel [wenn das mein Kollege aus North Carolina wüsste] zum Aufladen unserer Mobilgeräte. Es klappt erstaunlich gut.


Am späteren Nachmittag stellt sich dann heraus, dass die Zelt-Camper neben uns leider Alkis sind. Als sie [ca. 50, klein, graue Haare, ungepflegt] bei uns ans Fenster klopft und nach Geld bettelt, wird es uns etwas unwohl. Da weder wir noch jemand der anderen Camper ihren nächsten Absturz finanzieren, beginnen sie kurz vor dem Eindunkeln ihr Lager abzubauen. Die geschätzt 10 Decken stopfen sie alle in den viel zu kleinen Kofferraum. Da sich dieser aber nicht so einfach schliessen lässt, springt der Typ so lange wie ein Verrückter darauf rum, bis das Auto entscheidet, wer der Esel und wer der Kluge ist.

"Zum Glück werden wir sie los" denken wir uns, während wir uns das Theater ansehen. Doch wieder einmal zu früh gefreut. Beim rückwärts Herausfahren - unterdessen ist es schon dunkel - bleiben sie prompt im losen Sand stecken.


Während er [spindeldürr und mit Piratenklappe linken Auge] fluchend versucht, die Räder auszugraben, stapft sie barfuss los, um Hilfe zu holen. Der hinterste Camper ist der Einzige, der Erbarmen hat - uns haben sie nicht gefragt, obwohl wir am nächsten gewesen wären - und zieht sie dann doch noch mit seinem ATV [sieht aus wie ein Golfwagen, hat aber Power] raus. Als wir ihre davonfahrenden Rücklichter sehen, sind wir froh, die beiden schrägen Figuren los zu sein.

Beruhigt schalten wir endlich unsere LED-Lichter ein [militärisch-taktisch beobachtet man nämlich aus dem Dunkeln] kochen unser zNacht und schliessen so unsere ereignisreiche zweite Woche ab.


Next Stop: Texas

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